Quelle: BLICKPUNKT, Strausberger Ausgabe vom 16.02.2000

BLICKPUNKT-Foto: Vorfreude bei Grützmacher, Chef der Naturparkverwaltung "Märkische Schweiz": Die Bauarbeiten für das neue Verwaltungsgebäude in Buckow (siehe Modell) gehen gut voran. Schon im Juni soll zur die Einweihungsfeier eingeladen werden. - Weniger schön: Mehr denn je muss sich der Naturparkchef den Vorwurf gefallen lassen, als Verhinderer von Bauvorhaben bezeichnet zu werden. Nicht ganz zu unrecht: Die Gemeinde Waldsieversdorf hat wegen seines Vetos inzwischen ihren dritten Flächennutzungsplan in Arbeit. Ein Interview mit Gerhard Grützmacher folgt in unserer nächsten Ausgabe. Foto: Harry


Quelle: BLICKPUNKT, Strausberger Ausgabe vom 23.02.2000

Bauwillige in Waldsieversdorf, Buckow und neuerdings auch in Habenstein sind auf Gerhard Grützmacher nicht mehr gut zu sprechen: Der Chef der Naturparkverwaltung "Märkische Schweiz" geht für den Schutz von Flora und Fauna nur selten Kompromisse ein.


"Im Naturpark kommt es nun mal zu Kontroversen und Missverständnissen"

Wer in der Märkischen Schweiz bauen will, bekommt es mit Gerhard Grützmacher zu tun. Der Chef der Natutparkverwaltung des 205 Quadratkilometer großen Gebiets beruft sich auf seine Aufgabe, Flora und Fauna zu schützen. Dabei lässt er sich nur selten auf Kompromisse ein.

BP: Herr Grützmacher, die Bürgermeister von Buckow und Waldsieversdorf klagen über Sie als den großen Bauverhinderer in der Märkischen Schweiz. Lassen Sie sich den Vorwurf gefallen?

Gerhard Grützmacher: Naturschutz ist nun einmal so, da kommt es immer zu Kontroverse darum, seltene Lebensräume zu erhalten.

Die Waldsieversdorfer kämpfen seit 1994 für ihren Flächennutzungsplan. Mittlerweile hat die Gemeinde ihren dritten Entwurf vorgelegt. Könnten Sie der Gemeinde nicht wenigsten ein kleines Stück entgegenkommen?

Soweit Flächen des Naturparks betroffen sind, werden wir nun mal hinzugezogen, dann geben wir unsere Stellungnahme ab. Auch wir als Naturparkverwaltung sind dazu da, dass ein Gebiet geplant und entwickelt wird, über hier handelt es sich um die Entwicklung in einem Naturpark. Es kann doch nicht bestritten werden, dass so ein Naturpark im Ballungsraum Berlin/ Brandenburg Sinn macht. Auch darin hat jeder Ort sein Recht auf Entwicklung, aber eben nur im Rahmen des übergeordneten Rechts. Insofern findet jede Kommune in dieser Planungshierarchie ihre Orientierung.

Waldsieversdorf wollte laut Regionalplanung rund sieben Hektar Wohnland ausweisen, jetzt klagt der Bürgermeister, dass davon nur 0,5 Hektar übrig geblieben sind, ganze vier Wohneinheiten. Die Rede ist vom Ausbluten der Gemeinde.

Davon kann doch keine Rede sein. Da immer auf die Vorgaben jener regionalen Planungsgemeinschaft hingewiesen wird: Die hat immer von einer sehr groben Schätzung gesprochen, gleichzeitig wurde auch damals schon darauf hingewiesen, dass für eine Bebauung eine Abstimmung mit Landwirtschaft und Landschaftsschutz herzustellen ist. Bei sieben Hektar Bauland müsste Wald algeholzt werden, das wären dann schon sehr harte Eingriffe.

Sind Sie generell gegen jede neue Ausweisung von Bauland im Naturpark?

Ich bin dafür, dass Besiedelung ganz traditionell an Hauptstraßen und Eisenbahntrassen vorgenommen werden sollte. Nehmen wir die Stadt Müncheberg: Hier ist Leerstand zu verzeichnen, für Neubau wurden insgesamt 50 Hektar Bauland in Aussicht gestellt. Müncheberg liegt an der B 1, hat einen Eisenbahnanschluss und liegt nur sechs Kilometer Luftlinie von Waldsieversdorf entfernt.

Auch in Buckow klagen die Bauwilligen über Gerhard Grützmacher als großen Bauverhinderer.

Für Buckow haben wir 1998 eine Auflistung gemacht, an welchen Stellen noch gebaut werden kann. Da sind wir auf Möglichkeiten für 230 zusätzliche Einwohner gekommen. Damit haben wir auf die Potenziale hingewiesen und etwas getan, was eigentlich die Kommune im Rahmen ihrer Planung hätte tun müssen.

Die Stadt Strausberg will jetzt für ihren Ortsteil Hohenstein eine Bebanung in zweiter Reihe zulassen. Auch dagegen haben Sie Widerstand angekündigt, da sich Hohenstein südlich der Dorfstraße auf Territorium des Naturparks befindet. Warum wehren Sie sich dagegen, dass für eine Handvoll Zuzugswillige ein paar Wohnhäuser gebaut werden?

Wenn wir in Dörfern bauen, müssen wir auch sehen, dass die Denkmalwürdigkelt erhalten bleibt. Ein schönes Beispiel ist das Dorf Ihlow, wo viele Auswärtige sich der alten Häuser angenommen haben - die alte Schmiede wurde wieder aufgehaut, ein Bauernhaus und ein Feldsteinhaus wurden ausgebaut. Zu diesen Dörfern mit Denkmalcharakter gehört auch Hohenstein mit seinen wunderschönen Feldsteinhöfen.

Bringen die alteingesessenen Bürger zu wenig Respekt für Natur und alte Dörfer auf?

Das würde ich keinesfalls verallgemeinern. Aher es gibt Leute, die ziehen von Berlin nach Buckow, um jeden Tag von ihrer Arbeitsstelle in der Hauptstadt wieder hier rausfahren zu können.

(Interview: D. Fink)

Waldsieversdorf gegen Naturparkverwaltung

Die Gemeinde Waldsieversdorf könne sich nicht durchsetzen, Gerhard Grützmacher wurden gute Kontakte zum Umweltministerium bescheinigt und überhaupt sei alles eine ziemlich verfahrene Kiste. Die erst im Sommer letzten Jahres gegründete "Interessengemeinschaft Märkische Schweiz" machte sich am 10. Februar im Waldsieversdorfer Ferienpark am Däbersee Luft über die große Schwierigkeit, in der Märkischen Schweiz Bauland bereitzustellen. Gut 50 Bürger, darunter auch Bürgermeister, wohnten der Versammlung bei.

Seit 1994 wird in Waldsieversdorf emsig am Flächennutzungsplan gearbeitet. Aber die Umsetzung des Entwurfs scheitert regelmäßig am Einspruch durch die Naturparkverwaltung, der Gerhard Grützmacher vorsteht. Vor wenigen Wochen erst verfasste Waldsieversdorfs Bürgermeister Manfred Werner einen offenen Brief, mit dem er auf eine "komplizierte Situation" aufmerksam machte, die zu "großer Unzufriedenheit in der Bevölkerung" geführt habe.

Die Waldsieversdorfer wollen sieben Hektar Wohnbauland ausweisen, diese seien ihnen von der Regionalplanung seinerzeit in Aussicht gestellt worden. Jetzt sieht es so aus, dass sie von den erhofften 124 Wohneinheiten nur noch vier übrig sind.

"Bauen im Naturpark - rechtliche Grundlagen und Planungsgrundlagen" hatte die Interessengemeinschaft auf Sachlichkeit orientiert ihr Forum im Ferienpark Däbersee überschrieben. Aber auch der eingeladene Experte, der Landschaftsplaner Dirk Haydermann, konnte nur einmal mehr deutlich machen, dass keine Gemeinde um das Einvernehmen mit Landesanstalt für Großschutzgebiete (LAGS) herum kommt, so sie in einem Naturpark Straßen, Wege oder Häuser bauen will. Und natürlich arbeitet die LAGS engstens mit der Naturparkverwaltung zusammen.

Was die Teilnehmer der Runde mitnahmen: Auf rechtlichem Wege ist gegen die Naturparkverwaltung nichts zu machen. Nur eine übergeordnete Planung könne die Probleme entspannen, meinte auch Landschaftsplaner Haydermann. Um diese zu erwirken, will die Interessengemeinschaft nun Lobbyarbeit bei den Landtagsabgeordneten in Potsdam betreiben. (DF)


Anmerkung: Struktur der Exekutive Umwelt in Natur- und Nationalparken, absteigend
Ministerium (MLUR) - Landesanstalt für Großschutzgebiete (LAGS) - Naturparkverwaltung (NPV)
Struktur der Exekutive Umwelt in anderen Gebieten, absteigend
Ministerium (MLUR) als oberste Naturschutzbehörde - untere Naturschutzbehörde (des jew. Landkreises)
Ausführende Verwaltungsorgane des Staates haben sich an Gesetze zu halten, die vom Parlament verabschiedet werden, tun sie es nicht gibt es Mittel und Wege dagegen vorzugehen, sind die Gesetze falsch, gibt es Gerichte, die dies feststellen können. Dies nennt man Gewaltenteilung. Wenn fachliche Fehlentscheidungen getroffen werden, gäbe es durchaus Möglichkeiten, dagegen vorzugehen - emotional erreicht man allerdings nichts. H. Kühnel