Quelle: BLICKPUNKT, Strausberger Ausgabe vom 01.03.2000

Unter den Landwirten Brandenburgs macht sich ein dramatisch ansteigender Unmut breit. Angesichts der bevorstehenden Feststellung vor Schutzgebieten im Rahmen der so genannten Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) sehen viele ein existenzbedrohliches Gewitter über ihre Landwirtschaften heraufziehen. Seit Jahren schon steht diese Forderung der Europäischen Union an die Mitgliedsstaaten. Doch während andere Länder der Bundesrepublik längst ihre Hausaufgaben gemacht haben, wurde im Land Brandenburg gewartet bis eins vor zwölf, jetzt drängt die EU auf ihre Gebiete. Die Landwirte werden überrollt.

Zu den Leidtragenden gehört Helmut Lück. Der gemütliche Zinndorfer bewirtschaftet eine rund 25-Hektar große Fläche, um seinen 50 Mastbullen die Futtertrögt füllen zu können. Zwar gehört das Land zum Roten Luch im Naturpark "Märkische Schweiz", aber wurde ihm die Bewirtschaftung bislang gelassen.

Sollte ihm das Land einmal nicht mehr zur Verfügung stehen, sieht es nicht gut für seine Mastbullen aus. Helmut Lück hat noch mehr Land zur Verfügung, aber das reiche für das Futter, dass er für seine Tiere braucht, lange nicht hin.

"Auch für die Wiesen ist es das Dümmste, was passieren kann", ist Helmut Lück überzeugt, der nichts hält von unbewirtschaftetem Brachland das bis zum Horizont von Wildschweinen aufgewühlt ist. Ohne Bewirtschaftung würde seiner Ansicht nach auch die Lebensgrundlage für verschiedenste Tierarten wegfallen. Beispielsweise für Störche, von denen einer seiner Enkel bei der letzten Ernte 57 Stück im Schlepp des Treckers gezählte habe. "Die in Potsdam wissen doch gar nicht, was hier anliegt", ist Helmut Lück überzeugt, der seine Steuergelder auch besser verwendet sehen würde.

Wenig begeistert ist auch Egbert Müller aus Hasenholz von der neuen Grenzziehung für die Richtlinie. Er ist einer von 15 Forstwirtschaftlern die mit dem Forstbetrieb "Hasenholzer Bauernwald" eine 112 Hektar große Waldfläche bewirtschaften, die von der Landstraße zwischen Bollersdorfer Kreuzung und Waldsieversdorf bis an den SchermützeLsee in Buckow heran reicht. Im Jahr werden an die 400 Festmeter aus dem Wald gefahren.

Dass das Land Brandenburg mit einer Neubestimmung - von Schutzgebieten beginnen wolle, habe Egbert Müller beim Frühstück aus der Zeitung erfahren. Aber nicht nur das empfindet Egbert Müller als "ganz große Schweinerei". Unklar sei immer noch, welche Nutzungseinschränkungen und welche Entschädigungen auf die Nutzer zukommen.

"Schlimmstenfalls bleiben uns die Kosten für die Waldbrandversicherung, die Beiträge für die Berufsgenossenschaft, die Kosten für den Wasser- und Bodenverband und die Grundsteuern", befürchtet Eghert Müller. Er schließt sich der Forderung des Buckower Bürgermeisters Hans-Ulrich Schulze an, dass doch erst einmal eine sachliche Aufarbeitung erfolgen müsse.

Bis vor wenige Monaten noch , waren selbst vom zuständigen - Landesministerium in Potsdam keine zufriedenstellenden Auskünfte zur Richtlinie zu bekommen. Die Journalitsten griffen das FFH-Kürzel erst auf, nachdem sie langsam - mitbekamen, dass sich dahinter keine neue Joghurtsorte verbarg. Die Folge: Das Land hat die Schutzgebiete ohne Befragung der Betroffenen in die Liste aufgenommen, wie auch kürzlich der Geschäftsfahrer des Städte- und Gemeindebundes, Karl-Ludwig Böttcher, im Landtag kritisierte.

Jetzt gibt es erst die neue Grenzziehung, im Nachgang dann die Nutzungseinschränkungen und letztlich vielleicht ein Entschädigungsgesetz. Den Landwirten schwant, was ihnen da blüht. (DF)

Foto: Den Landwirten schwant, was ihnen da bläht. - Bauer Helmut Lück. Foto:Harry