Quelle: BLICKPUNKT, Strausberger Ausgabe vom 31.05.2000

Naturschutzbund will Fledermausmuseum bauen

Julianenhof soll zum Mekka für Fledermausfans werden. So jedenfalls der Plan des Naturschutzbundes (NABU), Ortsgruppe "Märkische Schweiz". Dafür wollen die Umweltschützer zunächst einen Eiskeller sanieren, der sich auf dem Gelände der ehemaligen LPG-Schweinezuchtanlage in Julianenhof befindet. Für das Projekt hat das Landesamweltministerium kürzlich die Fördermittel genehmigt. "Bis Oktober könnte die Sanierung abgeschlossen sein", hofft Ursula Grützmacher, Vorsitzende der NABU-Ortsgruppe.

An die fünf Meter tief geht der Keller hinter seinem ramponierten Eingang ins Erdreich. Um 1900 gebaut diente er als Lager für Eisblöcke, die wurden bei Frost von den Seen geholt und konnten im doppelwandigen Keller bis zu zwei Jahre gelagert werden. Nachdem Kühlschränke dieses Eis überflüssig gemacht hatten, nisteten sich im Keller in Julianenhof wegen des von ihnen bevorzugten Mikroklimas immer mehr Fledermäuse während der Wintermonate ein.

Nach Abschluss der Sanierung soll nun den Fledermäusen diese Möglichkeit erhalten bleiben. Zusätzlich will die NABU-Ortsgruppe im Eiskeller mit Hilfe von spezifischen Gerätschaften und Werkzeugen einen Blick - zurück auf die historische Landnutzung in der "Märkischen Schweiz" gewähren.

Das eigentliche Fledermausmuseum soll später nur wenige Meter entternt vom Eiskeller entstehen, in der gut 60 Meter langen Scheune der ehemaligen LPG. Hier sollen die fliegenden Säugetiere mit ihren einzigartigen Fähigkeiten in aller Ausführlichkeit vorgestellt werden, so auch die Präzision, mit der die blinden Flattermänner per Ultraschall die Flugbahn einer zig Meter entfernten Mücke exakt orten können.

Ursula Grützmacher hat genug Humor und zugleich auch Realitätssinn, das auf diese eine Tierart ausgerichtete Naturkundemuseum nicht zum drögen Belehrungstempel werden zu lassen. Das Haus soll schließlich auch besucht werden. So schwebt ihr vor, auch die Beziehungen zwischen Mensch und Fledermaus über die Jahrhunderte hinweg darstellen zu wollen. Da hat sie auch kein Problem damit, die Tiere mit ihren schwarzen, mantelartigen Flügeln mit dem Vampir-Mythos oder der Batman-Szene in Verbindung zu setzen. Der Besucherzahl wird dies nicht abträglich sein.

Acht Fledermausarten leben heute noch im Naturpark darunter auch die Mopsfledermaus, die vom Aussterben bedroht ist. Mit dem Eiskeller und dem Fledermausmuseum, das in Teilen ebenso für die Tiere als Unterschlupf dienen soll, kann der jetzige Bestand mindestens erhalten bleiben.       (DF)

BLICKPUNKT-Fotos: Soll zum Fledermausmuseum umgebaut werden: Die alte Scheune auf dem ehemaligen LPG-Gelände in Julianenhof; Ursula Grützmacher, Vorsitzende der Ortsgruppe des Naturschutzbundes
Für Feldermäuse günstiges Mikroklima: Das Gewölbe des um 1900 erbauten Eiskellers. Nach der Sanierung soll er den Tieren wieder als Winterquartier dienen.     Fotos: Harry