Quelle: Märkischer Markt, Strausberger Ausgabe vom 31.05.2000

Ehrung für Ihlow

Kleines Dorf darf jetzt Titel Naturparkgemeinde tragen

Ihlow. "Naturparkgemeinde" prangt auf dem Emailleschild im Dorfteich. So darf sich Ihlow nun offiziell nennen. Vor breitem Publikum wurde die Ehrung des 160-Einwohner-Dorfes in der Märkischen Schweiz durch die Europäische Parkföderation vorgenommen.

Die Vorsitzende des Fördervereins war ganz in ihrem Elenent. Prof.Anne Wolf konnte sich tatsächlich doppelt freuen, denn die Auszeichnung gab ihr auch in der Hinsicht recht, dass Entwicklungen sich von unten nach oben, nicht etwa umgekehrt, vollziehen müssen. Ein solches Beispiel ist Ihlow: Bisher seien kaum Fördermittel in den Ort geflossen, räumten mehrere Redner ein, trotzdem sei es sichtbar vorangegangen. Ihlow lebe eben von seinen aktiven Bürgern, wurde denn auch betont, doch sei die Ehrung als Naturparkgemeinde 2000 vielleicht eine Hilfe, künftig bei der Vergabe von Fördermitteln mit den eigenen Projekten etwas mehr nach vorn zu rücken.

Dr. Karin Stein-Bachinger, die im Namen des Kuratoriums den Ihlowern gratulierte, zeigte sich ebenfalls sehr angetan vom Dorf. 1999 habe eine Exkursion die Kuratoriumsmitglieder dorthin geführt, wo sie sich an Ort und Stelle von den Fortschritten ein Bild machen konnten. Das taten jetzt auch die Festgäste. Eine langgezogene Menschentraube bewegte sich langsam über die Dorfstraße, machte hier und da an markanten Gebäuden Station, wo die Bewohner oder zumindest sachkundige Ihlower Erklärungen gaben.

Natürlich geriet da auch die alte Schmiede ins Blickfeld, die sich Familie Buchholz in den vergangenen Jahren als wahres Schmuckstück und viel Gespür für die historische Details hergerichtet hat. Nicht nur die Schmiede mit dem Originalschornstein, sondern auch die Schnitterkaserne davon sind in vielleicht größerem Glanz als je zuvor wiedererstanden. Nächstes Werk soll der Wiederaufbau eines ehemaligen Schuppens sein, wo ein Gästezimmer entstehen werde.

Es sind die Neubürger wie Manfred Buchholz, seit langer Zeit eine Stütze im Förderverein, oder der stellvertretende Bürgermeister Lars Spangenberg, die neue Impulse für das dörfliche Leben gebracht haben. Während das Zusammenleben zwischen Alteingesessenen und Zuzüglern längst nicht immer problemlos funktioniert, ist Ihlow geradezu ein Musterbeispiel, wie sich alle zu einer großen Familie zusammenfinden.

Zu der ist auch Familie Steinkamp gestoßen, die einen alten Stall zu Wohnzwecken umbaut. Auch hier der Erhalt von alter Ziegel-Feldsteinarchitektur, viel Eigenengagement der Besitzer, die jedes Wochenende zum erneuten Baueinsatz aus Berlin-Kreuzberg herauspendeln. Voraussichtlich im Juni oder Juli solle dann der Umzug erfolgen.

Erhalt von Natur und historischen Elementen, das liege den Ihlowern regelrecht im Blut, wie Bürgermeister Randolf Wiese hervorhob. Niemand, der auf so etwas extra wortreich oder mit dem Wedeln von Gesetzblättern hinweisen müsste. Immerhin ist Ihlow eines jener mittelalterlichen Angerdörfer, das trotz einiger Neubauten zu DDR-Zeiten noch immer in seinem Ursprungsbild erhalten sei - ein großer Schatz, wie auch Naturparkchef Gerhard Grützmacher nicht müde wird hervorzuheben. Dass Dörfer und Naturpark durchaus an einem Strang zu ziehen und etwas zu bewegen imstande sind, zeigt Ihlow deutlich. Auch dort gibt es zwar zuweilen unterschiedliche Auffassungen, doch ist es gelungen, mehrere Probleme im positiven Zusammenwirken zu lösen. Offen ist nach wie vor der hintere, verlandete Dorfteich, bei dem sich aber möglicherweise schon bald etwas tun soll, um in wieder halbwegs in Funktion zu setzen. Gemeinsam arbeiten Gemeinde und Naturschützer auch an der Entsiegelung von Flächen. Warum nicht Wohnparkerbauer dazu verpflichten, meint Grützmacher, der mit diesem Vorschlag durchaus auf offene Ohren stieß.

Die Ihlower Störche überwinden seit Jahren europäische Grenzen, spannte Landrat Jürgen Reinking den Bogen vom kleinen märkischen Dorf zum scheinbar fernen Europa. Er freue sich, dass nach Altfriedland im vorigen Jahr (dort sind es die Gänse - für bis zu 40 000 von ihnen ist der Ort jährlich Raststätte auf dem Weg nach Sibirien) nun zum zweitenmal eine Gemeinde aus dem Kreis unter den Ausgezeichneten sei.

THOMAS BERGER

Fotos:

    Naturparkgemeinde. Einer der Anziehungspunkte von Ihlow ist der Dorfteich. Ein Emailleschild an dessen Ufer (hier hält es noch Naturparkchef Gerhard Grutzmacher) verweist auf den neuen Titel.     MM-Fotos: Th. Berger