Quelle: Märkischer Markt, Strausberger Ausgabe vom 07.06.2000

Auftakt für weitere Arbeiten an der Kirche

Frühlingsfest rund um Prötzels Kirche, die bald weiter saniert werden soll

Prötzel. Was die Prötzeler Kirche mit dem Berliner Stadtschloss verbindet? Ganz einach: Letzteres, ebenfalls vom barocken Baumeister Andreas Schlüter stammend, wurde 1950 abgerissen, das Prötzeler Gotteshaus steht noch immer. Damit das auch so bleibt ist schon vor drei Jahren eine Sanierung angelaufen. Auch wenn es nur wenig Kriegsschäden gab, das nahegelegene Schloss (ebenfalls Schlüter) die meisten Einschüsse abfing, hatten die Jahrzehnte doch ihre Spuren hinterlassen. Das Geld reichte allerdings zunächst nur für den Turm. Nun soll auch das Schiff mit Dachstuhl und Fassade an die Reihe kommen. Der Auftakt für den anstehenden zweiten Bauabschnitt, in dessen Rahmen auch noch andere Maßnahmen geplant sind, lockte dieser Tage viele Besucher zum Frühlingsfest des Fördervereins Dorfkirche.

Salutschüsse zu Kuchen und asiatische Figuren

Förderverein lud zum Frühlingsfest, und viele kamen

Der Superintendent, Vizelandrat Michael Bonin und Amtsdirektor Frank Ehling waren unter denen, die der feierlichen Übergabe eines Schecks in Höhe von 1500 Mark beiwohnten, den Dierk Homeyer namentlich der Sparkasse an Fördervereinsvorsitzenden Waldemar Schellin überreichte. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag ist sogar selbst unter den Gründern des Vereins, wie übrigens auch Bürgermeister Reinhard Wende, der im Vorstand sitzt. Allen gemeinsam ist das Anliegen, wie es die Redner mehrfach formulierten: "Die Kirche muss im Dorfe bleiben."

Und wieder ein gesellschaftlicher Mittelpunkt werden, wie betont wurde. Zumindest zum Frühlingsfest mit seinem bunten Programm klappte das prima, trotz zahlreicher Veranstaltungskonkurrenz im unmittelbaren Umfeld waren zahlreiche Besucher bei Festgottesdienst, Kunstmarkt und abendlichem Konzert vertreten. Judith Schellin, Tochter des Vorsitzenden, konnte sich der Nachfragen nach dem leckeren frischen Kuchen kaum erwehren, und auch die Ausstellung "Naive Volkskunst aus Asien und Afrik" mit Sammlerstücken des Altreetzer Schulzoodirektors Peter Wilberg stieß auf lebhaftes Interesse.

Dass es nicht nur die Bausubstanz ist, die teilweise erneuert werden muss, bewies das Konzert zum Tagesausklang. Drei Mitglieder der Kantorei Berlin-Hohenschönhausen brachten auf Orgel und Flöten Werke aus dreieinhalb Jahrhunderten zu Gehör, und das abschließende "Der Mond ist aufgegangen", gemeinsam von alten gesungen, war ein besonderes Erlebnis. Auch schon eine alte Dame mit bestimmten Wehwehchen ist die Orgel, die dann auch im letzten Drittel des Musikprogramms neben den gewünschten Klängen ein durchdringendes Pfeifgeräusch ertönen ließ Folge eines Risses, der sich so einfach nicht beheben lasse.

Ob ein kleiner Ton nebenbei, das war bei den Böllerschüssen der Buckower Kanoniere allerdings egal. Dreimal am Tag ließen sie den Sechspfünder zum Salut krachen, und besonders beim erstenmal nach dem Gottesdienst ließen sich auch die Ehrengäste das Erlebnis mit den stilecht herausgeputzten Buckowern nicht entgehen. Dierk Homeyer wurde bei dieser Gelegenheit eine besondere Ehre zuteil - er durfte, natürlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand sowie wenigstens dem Uniformhut (eine Leihgabe von Alfred Kowalke) versehen, einen Schuss auslösen.

Schellin, Pfarrer Manfred Caesar und die anderen Initiatoren waren jedenfalls vollauf zufrieden. Es gehe darum, wieder Leben in die Kirche zu bringen und den Fortgang der Arbeiten anzuzeigen, auch wenn der sich bis 2001 verschiebe. Zumindest am Küsterhaus nebenan und im parkähnlichen Garten sollen aber schon in den kommenden Monaten erste Arbeitseinsätze erfolgen.

Doch nicht nur Schlüters architektonische Spuren sind es, die Prötzels Dorfkirche so interessant machen. Ganz entgegen der Tradition, aber als Zeugnis der zu jener Zeit vorherrschenden Orientierung auf Ästhetik mehr als religiöse Vorschriften hat sie ihren Turm im Osten statt im Westen. Zudem beherbergt sie die Gruft der einstigen Gutsherrenfamilie von Eckardstein, die bisher unzugänglich ist, möglicherweise aber in näherer Zukunft geöffnet erden soll.

D. TRESCHKE

Fotos:

    Gebet. Auf Befehl ihres Anführers knien die Buckower Kanoniere vor der Kirche nieder, bevor sie mit dem Salutschießen zur Tat schreiten. Auch zu den 35. Buckower Rosentagen vom 16. bis 18. Juni werden die schmucken Uniformierten wieder zu hören und zu sehen sein.
    Scheckübergabe. 1500 Mark stellt die Sparkasse Märkisch-Oderland als Zuschuss bereit. Dierk Homeyer, selbst Mitglied, überreicht das Papier an Fördervereinschef Schellin.
    Im Mittelpunkt des Festtrubels. Prötzels Kirche hat nicht nur die Besonderheit des Ostturms, sondern trägt zudem noch die architektonische Handschrift von Barockmeister Andreas Schlüter.     MM-Fotos: dt