Quelle: Märkische Oderzeitung, Strausberger Ausgabe vom 04.01.2000

"Majestät, in Buckow geht die Lunge auf Samt"

17 Millionen Mark Fördermittel flossen in den vergangenen Jahren in den Kurort / 2000 steht der 100. Helene-Weigel-Geburtstag im Mittelpunkt

Von
JÖRG SCHREIBER

Buckow (ADN) "Majestät, in Buckow geht die Lunge auf Samt": Mit diesem Spruch soll der Leibarzt von Friedrich Wilhelm IV. das Städtchen in der Märkischen Schweiz seinem König zum Aufenthalt empfohlen haben. Auch heute noch lockt die frische Luft zu Wanderungen in die idyllische Gegend östlich von Berlin mit ihren Anhöhen und Seen. Die Leiterin des Fremdenverkehrsamtes, Ria Sommerschuh, zeigt sich denn auch sicher, dass die zweijährige Klimaanalyse, die Mitte 2000 vorgelegt werden soll, für den Ort sprechen wird. Das wäre eine Voraussetzung dafür, dass der bis 2003 vorläufig gewährte Kurort-Status auf Dauer anerkannt wird.

Bis dahin sollen Kurort-Infrastruktur und Straßen in einen besseren Zustand gebracht werden. In den vergangenen Jahren hat sich in Buckow, das jährlich um die 100 000 Übernachtungsgäste und zwei bis drei Mal so viele Tagesbesucher besonders aus dem Berliner Raum empfängt, schon einiges getan. In Stadtsanierung, Kur- und Tourismus-Infrastruktur, Straßenbau und Umwelt flossen nach Angaben der Amtsverwaltung in den vergangenen Jahren Fördermittel in Höhe von über 17 Millionen Mark.

Neben der auf Krebsnachsorge spezialisierten Reha-Klinik und dem modernisierten Mutter-Kind-Haus öffneten ein Kur- und Tagungshotel mit eigenem Therapiebereich und das Hotel "Bellevue", das es schon einmal zur Jahrhundertwende gab. Kurpark, Strandpromenade, Strandbad und Tourismusinformation wurden saniert. Zudem haben sich zwei Badeärzte niedergelassen. Drei Einrichtungen - Kurhotel, Reha-Klinik und ein physiotherapeutisches Zentrum bieten Kneippsche Anwendungen an ein weiteres Therapiezentrum für 1,3 Millionen Mark wird derzeit geplant. Das ist wichtig für Buckow, das als einziger Kneipp-Kurort Brandenburgs für sich wirbt.

Auch viele Straßen und Gehwege etwa zum Brecht-Weigel-Haus wurden saniert. Aber ausgerechnet entlang der Hauptstraße herrsche Stagnation, sagt die Fremdenverkehrsamtsleiterin: So steht das am Schermützelsee gelegene frühere Gewerkschafts-Heim "Theodor Fontane" mit über 200 Betten größtes Haus am Ort - seit der Wende leer, ebenso wie seit mehreren Jahren das "Lindenhotel" im Zentrum. Die Ansiedlung einer zweiten Reha-Klinik mit 200 Betten war gescheitert. Zudem sank die Zahl der Einwohner von 2400 auf 1700.

Nach einer einer Flaute Mitte der 90er Jahre strömen jetzt wieder mehr Besucher in die "Perle der Märkischen Schweiz". Bis September registrierte das regionale Fremdenverkehrsamt einen Zuwachs von 16 Prozent bei Gästeankünften und Übernachtengen. Dennoch liege die durchschnittliche Auslastung der 900 Betten bei nur 35 bis 36 Prozent, sagt - Ria Sommerschuh. An den Sommerwochenenden sei der Ort voll, in der Woche fehlten aber Gruppen- und Ausflugsfahrten. Buckow habe halt keine Therme oder ähnliche Freizeiteinrichtungen, sondern setze auf private Initiativen und kleingliedrige Strukturen. In der Märkischen Schweiz fühle sich jener Gast wohl, der das Gesamtangebot von Landschaft, Kultur und therapeutischen Angeboten sucht.

Im Jahr 2000 steht der 100. Geburtstag von Helene Weigel im Mittelpunkt, sagt die Tourismus-Chefin. Der Ort wolle zeigen, dass sich in seiner Blütezeit "viele sensible Künstler" hier wohlfühlten, von Egon Erwin Kisch über John Heartfield bis Paul Dessau. Bis heute sei Buckow für Künstler inspirativ, wie die Internationalen Musikwerkstätten zeigten. Auch Rosentage, "Klassik im Grünen" sowie Buckower Sommertheater - 2000 mit einem "Tarzan"-Familienmusical und einer Inszenierung von Shakespeares Sommernachtstraum - werden fortgesetzt. Zudem sollen 40 Kilometer Kurwege ausgewiesen werden.

Foto: dpa
Die einstige Sommerresidenz des Dramatikers Bertolt Brecht und seiner Frau, der Schauspielerin Helene Weigel, ist ein beliebtes Ausflugsziel in Buckow.