Buckow. Am malerischen Sonnenuntergang, der an der Stirnseite des Raumes auf halber Höhe hängt, kommt natürlich niemand vorbei. Doch so viel Romantik der rote Abendhimmel auch ausstrahlen mag - das Leben auf der südostafrikanischen Insel Sansibar ist für die meisten Menschen alles andere als einfach. Wie es die Bewohner dennoch schaffen, die Probleme des Alltags zum meistern, und mit welchem Elan sich jugendliche Brandenburger in die partnerschaftliche Hilfe deutscher Vereine einbringen, zeigt die neue Ausstellung im Alten Warmbad Buckow.
Seit acht Jahren betreut Birgit Mitawi die gemeinsam von Regionaler Arbeitsstelle für Ausländerfragen (RAA) und Gesellschaft für solidarische Entwicklungszusammenarbeit (GSE) organisierten Projekte auf der dem tansanischen Festland vorgelagerten Insel, wo die Hauptreligion der Islam ist, indische Geschäftsleute zum guten Teil das Wirtschaftsleben bestimmen und viele Menschen vom Fischfang leben.
"Sansibar ins Gesicht geschaut" unter diesem Namen geben die Bilder, die schon in zahlreichen Städten Brandenburgs und Berlins Station machten, Einblick in das Leben der Menschen, zeigen eine andere Kultur, bringen einfühlsam Probleme der Unterentwicklung und des Nord-Süd-Verhältnisses auf dem Erdball nahe und machen neugierig auf die fremden Traditionen. Da ist der Zwiebelwagen, sind die klapprigen Busse und die Fahrräder, Transportmittel Nummer eins. Aber auch ein Hochzeitspaar, ein Blick in die seit - den 70er Jahren bestehende Fernsehstation (das erste Farbfernsehen auf dem afrikanischen Kontinent!) und - Einblicke in die Projekte der Entwicklungszusammenarbeit finden sich in der bunten Foto-Palette.
20 Schulräume in acht Dörfern, zwei Kindergärten und Räumlichkeiten für Frauenvereine sind in den Jahren entstanden, dazu wurde ein Dorf mit Strom versorgt und ein Fischerboot gebaut. Für die Teilnehmer, die mitten unter den Einheimischen wohnten, war es stets ein Riesenerlebnis, und nach der Rückkehr geben sie ihre Erfahrungen und Eindrücke in der Heimat weiter. Auch in Buckow standen ehemalige Sansibar-Besucher Rede und Antwort, darunter eine Gruppe von Lehrern, die sich im Sommer 1999 auf den Weg gemacht hatte. Zu ihnen gehörte auch Ilona Melchert, Buckows Schulleiterin, die die Ausstellung in die Märkische Schweiz geholt hat.
Richtig in Stimmung brachte die Besucher allerdings Marc Kofi Asamoa. Der in Berlin lebende Musiker aus Ghana hatte eine Vielzahl von Trommeln mitgebracht, an denen sich nun Kinder Jugendliche und Erwachsene betätigen durften, derweil die anderen zum Singen und Tanzen aufgefordert waren. "Eh, Mama, eh, Mama Africa" lautete das Lied, das auf vielfältigste intoniert wurde, und bei den einfachen und eingängigen afrikanischen Rhythmen fiel es nicht schwer mitzumachen. Sein zweiter Vorname Kofi, erzählte der inzwischen Schwitzende vor der dritten oder vierten Zugabe nach dem mehrfach verkündeten Ende, ist Zeichen für seine Geburt an einem Freitag. In Ghana sei es üblich, Kinder nach den Wochentagen zu benennen.
"Zeichen setzen für Verstehen, Toleranz und Miteinander im Anderssein", umschrieb Fremdenverkehrsamtschefin Ria Sommerschuh das Ziel. Zum friedlichen Austausch der Kulturen und partnerschaftlicher Hilfe zwischen Nord und Süd wollen auch die Teilnehmer eines weiteren RAA-GSE-Projektes beitragen: Die zehn Jugendlichen, die ab Ende Februar sechs Wochen nach Südindien reisen, stellten den anderen Besuchern ihr Vorhaben vor - ein gemeinschaftlich erbautes Frauenbildungszentrum.