Garzin. Rund 220 Fledermäuse sind bislang im Naturpark Märkische Schweiz registriert worden. In den vergangenen Tagen wurden die Winterquartiere der vom Aussterben bedrohten Tiere kontrolliert.
Garzin (MOZ) Rund 220 Fledermäuse sind bislang im Naturpark Märkische Schweiz registriert worden. In den vergangenen Tagen wurden die etwa 40 Winterquartiere der vom Aussterben bedrohten Tiere kontrolliert.
Peter Eichelkraut von der Naturwacht öffnet die Tür, dann steigen er und Dr. Joachim Haensel die Stufen in den dunklen Keller im Bereich der Bergschäferei hinab. Mit Taschenlampen suchen sie die Wände ab, spähen in aufgerissene Putzlöcher und kleine Spalten. Lange müssen sie nicht suchen. Bei stark herabgesetzter Körpertemperatur, gedrosseltem Kreislauf - praktisch auf Sparflamme - werden die Fledermäuse hier noch bis März oder April überwintern.
Dr. Haensel zählt die Tiere und bestimmt ihre Art. In diesem Keller hatten sich Braune und Graue Langohren sowie zwei Fransenfledermäuse niedergelassen. Alles wird notiert und später mit den Ergebnissen vergangener Kontrollen verglichen.
Dann geht es weiter, die Männer haben noch ein umfangreiches Programm zu bewältigen. Insgesamt werden an mehreren Tagen etwa 40 Winterquartiere aufgesucht. Dazu gehören Viehställe, Keller, alte Brunnen, Kirchen und frühere Bunker. In der Regel seien die Eigentümer sehr kooperativ, sagt Peter Eichelkraut. Die Tiere würden weitgehend in Ruhe gelassen. Leider sei es aber schon vorgekommen, dass Unbekannte auf "Fledermausjagd" gegangen seien. Auch deshalb wolle man die Quartiere nicht in der Öffentlichkeit bekannt machen.
Seit 40 Jahren setzt sich Dr. Haensel für die Fledermäuse ein. Das Landesumweltamt hat ihm seine Qualifikation bestätigt. Der Biologe arbeitete früher im Tierpark Berlin und ist heute für den Naturschutzbund Deutschland (NABU) tätig.
Von Anfang an hat der Biologe mit der Naturwacht eng zusammengearbeitet. 1992 wurde im Naturpark das Artenschutzprogramm "Fledermäuse" in Kraft gesetzt. Seither gibt es intensive Suchaktionen. Im Ergebnis der Kontroll- und Schutzmaßnahmen hat sich die Zahl der registrierten Tiere von 118 im Jahre 1993 auf 217 im Vorjahr erhöht. Zu den sechs im Naturpark registrierten Arten sind inzwischen sieben hinzugekommen. Die 13 Arten sind: die Wasserfledermaus, die Fransenfledermaus, die Mausohrfledermaus, der Abendsegler, der Kleine Abendsegler, die Breitflügelfledermaus, die Zwergfledermaus, die Rauhhautfledermaus, das Braune Langohr, das Graue Langohr, die Mopsfledermaus, die Große Bartfledermaus und die Bechsteinfledermaus. Im Land Brandenburg konnten bislang 17 Arten nachgewiesen werden, in ganz Deutschland 22.
Doch trotz der Schutzbestimmungen sind längst nicht alle Sommer- und Winterquartiere der Insektenfresser bekannt. Daher bittet die Naturparkverwaltung, vermutete oder bekannte Fledermausvorkommen zu melden. Schließlich sind Fledermäuse trotz gesetzlichen Schutzes vom Aussterben bedroht und stehen überall in Deutschland auf den Roten Listen der besonders gefährdeten Tier- und Pflanzenarten.
Informationen an die Naturparkverwaltung, Eberswalder Chaussee 6, 15377 Waldsieversdorf; Telefon: (033433) 474, Fax: (033433) 444.
Mit Echo-Orientierung durch die NachtFledermäuse sind eine Unterordnung der Flattertiere. Sie ernähren sich besonders von Insekten, die sie in der Dämmerung im Flug fangen. Fledermäuse, deren stammesgeschichtliche Entwicklung etwa 50 Millionen Jahre zurückreicht, können auch bei völliger Dunkelheit Beutetiere und Hindernisse wahrnehmen. Ultraschallwellen von 30 bis 70 kHz vermitteln den Fledermäusen nach dem Prinzip der Echopeilung (Echo-Orientierung) ein gehörtes Raumbild. Fledermäuse umfassen mehr als 800, meist tropische Arten. |