Quelle: Märkische Oderzeitung, Strausberger Ausgabe vom 05.02.2000

Mit der Narrenkappe ins Internet

Projekt der Arbeitsförderungsgesellschaft Rehfelde macht neugierig auf heimische Kleinode

Von
GABRIELE RATAJ

Rehfelde (MOZ) Gerade jetzt sind sie gut sichtbar, die interessanten Ritzzeichnungen an der Werderaner Kirche. Wenn das Laub der großen Bäume die alten Steinquader nicht verbirgt, ist der Blick frei auf Narrenkappe und Teilsonnenuhr, auf eine Figur und Marterwerkzeuge. Doch wer schaut schon dorthin, wenn er das nicht weiß?

Simone Träder und Dietmar Nitschke sind seit längerem dabei, dagegen etwas zu unternehmen. Innerhalb ihrer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zur Aufbereitung und Präsentation der Geschichte und Gegenwart der weniger bekannten Orte im Amt Märkische Schweiz beschäftigen sie sich bereits im zweiten Jahr unter historischem und touristischem Blickwinkel mit Gemeinden wie Rehfelde und Garzin, Ihlow oder Zinndorf.

Der Erfolg zeitintensiver, mühseliger und zugleich spannender Arbeit mit Schreibblock, Kamera und Computer lässt dabei nicht auf sich warten. Zur Mitgliederversammlung der Arbeitsförderungsgesellschaft Rehfelde Träger der AB-Maßnahme - im Herbst vergangenen Jahres konnte Geschäftsführerin Barbara Dürkoop unter anderem an die Bürgermeister von Rehfe1de, Garzin und Zinndorf zusammengestellte Chroniken überreichen. Daneben entstanden zeitgleich aussagekräftige laminierte Wandtafeln, und in übersichtlicher kurzgefasster Form sind interessante Aspekte auf Internet-Seiten abrufbar.

"Dazu ergänzen wir fortlaufend mit neuen Ergebnissen unserer Recherchen", erzählt Dietmar Nitschke, Foto- und Computerspezialist der beiden. Der Termin des Garziner Badefestes wird genauso aufgenommen wie spezielle Angebote des Öko-Hofes Garzau oder taufrische historische Erkenntnisse aus ertragreichen Gesprächen mit den Pfarrern der Region. "Schließlich sind die meisten dieser kleinen Ortschaften mit und um die Kirche herumn gewachsen", erklärt Nitschke. "Die Kirchengeschichte ist also eine wesentliche Quelle für die Chroniken."

Derzeit wird zudem darüber nachgedacht, wie die schriftlichen und fotografischen Resultate einem noch breiteren Kreis an Interessenten nahe gebracht werden kann. "Nicht jeder hat die Möglichkeit, sich seine Informationen über Computer zu holen", meint Simone Träder. Außerdem kann ohnehin keine ganze Chronik ins Internet gebracht werden.

Überlegungen gibt es zum Beispiel, eine Anlaufstelle mit bestimmten Offnuneszeiten einzurichten. Dietmar Nitschke fällt da das Strausberger STIC ein, wo eine Art Infomobil wie das von der Sparkasse Halt machen könnte. Wichtig sei auch, dass die angelegten Chroniken möglichst fortgeführt werden. Wie in Rehfelde, wo Heinz Galey dankenswerterweise dieses Amt übernahm. Und nicht zuletzt profitieren die beiden selbst von ihrer Arbeit. "Man wird neugierig und lernt", sagt Simone Träder.

Zum Beispiel auf die Narrenkappe an der Nordost-Ecke des Werderaner Kirchturms auf dem zweiten Steinquader über dem Dach des Kirchenschiffes und ihre Geschichte.

Foto:

    Zu der Wandttafel zu den Werderaner Ritzzeichnungen erstellen Simone Träder und Dietmar Nitschke auch Infos fürs Internet.     MOZ-Foto: G. Rataj