Quelle: Märkische Oderzeitung, Strausberger Ausgabe vom 12.04.2000

Ein Traum ist ausgeträumt

Enttäuschung in Buckow: In diesem Jahr fällt das Schlosspark-Sommertheater aus/ Landeszuschuss abgelehnt

Von
Detlef Klementz

Buckow (MOZ) Jetzt ist es amtlich: In diesem Jahr wird es in Buckow kein Schlosspark-Sommertheater geben. Bis zuletzt hatten die Initiatoren, der Bürgermeister und das Fremdenverkehrsamt Märkische Schweiz auf die Landeszuschüsse in Höhe von 35 000 Mark gehofft. Doch das Potsdamer Kulturministerium lehnte ab.

Regisseur Oliver-Konrad Gerbig und seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Ila Schöppe, hatten einen Traum. "Wir wollten in Buckow ein Sommertheater aufbauen", sagte der gebürtige Kölner, der schon bundesweit inszeniert hat. Beiden schwebten Stücke für Kinder sowie Musicals und Lustspiele vor. "Auch Brecht sollte hier gespielt werden", ergänzt Ila Schöppe.

Alles ließ sich gut an. Zusammen mit dem damaligen Kulturamtsleiter in Frankfurt (Oder), Ulrich Schröder, wurde 1995 das Theaterprojekt Helene gegründet. Aus der ehemaligen Felsentribüne im Park wurde mit aktiver Hilfe der Stadt eine Bühne. Örtliche Sponsoren wie die Sparkasse MOL, der Landkreis und das Kulturministerium unterstützten das Projekt. Gleich die ersten Inszenierung - das Musical "Das Dschungelbuch" - wurde ein großer Erfolg, dem weitere folgten.

Bereits im vergangenen Jahr habe "Ali Baba und die vierzig Räuber" aber nur dank der Mittel aus dem Lottotopf realisiert werden können, erinnert sich Gerbig. Nicht weniger als 10 000 Zuschauer seien zu den 30 Aufführungen gekommen. "eine sehr gute Zahl, verglichen beispielsweise mit Rheinsberg", sagt der Regisseur. Immer wieder seien die dringend benötigten Zuschüsse für diese Spielzeit angemahnt worden. In Ablehnungsschreiben mit Datum vom 7. April wird auf die angespannte Haushaltslage des Landes verwiesen. Diese habe das Kulturministerium veranlasst, "die zur Verfügung stehenden Fördermittel auf ausgewählte Projekte, die ein deutliches Landesinteresse begründen und deren Finanzierung allein aus kommunalen Mitteln nicht abzudecken ist, zu konzentrieren". Gerbig und Schöppe können sich über diese Begründung nur wundern. Die Kommune helfe ja im Rahmen ihrer Möglichkeiten, und die seien aufgrund des hohen Schuldenbergs im Zusammenhang mit dem gescheiterten Blockheizkraftwerk nun mal sehr begrenzt. Die angeregte Erhöhung der Eintrittspreise lehnen die Initiatoren des Theaterprojekts ab. Gerbig, der aus seiner Enttäuschung keinen Hehl macht, nennt die 35 000 Mark, an denen der Theatersommer scheitert, eine vergleichsweise geringe Summe, deren Wirkung aber deutlich über Buckow hinausreichen würde.

Enttäuschung auch bei Fremdenverkehrsamtschefin Ria-Maria Sommerschuh. Für sie bricht mit dem Theatersommer eine wichtige Säule des kulturellen Angebots der Stadt weg. Wie Bürgermeister Dr. Hans-Ulrich Schulze sieht auch sie darin einen wichtigen Wirtschaftsfaktor für den Ort. Schulze wird allerdings noch deutlicher: Es fehle eine "von der Landesregierung getragenes Entwicklungsstrategie für die Region", kritisiert er. "Wir werden hier völlig allein gelassen, und mit der Koalition ist es noch schlimmer geworden."

Derweil gehen unter der Regie von Gerber (Gerbig ?) die Proben zu "Hexen und Teufel - ein Grusical" weiter. Aufgeführt wird es nun nicht in Buckow, sondern im Amphitheater des Strausberger Lakaside-Hotels. Premiere ist am 13. Mai.


Informationen zum "Grusical" unter Telefon: (03341) 346 92 99.

 

MOZ-Foto: Regisseur Oliver-Konrad Gerbig und Schauspielerin Ila Schöppe vor der verwaisten Felsenbühne im Buckower Schlosspark. In diesem Jahr wird es hier kein Sommertheater geben. MOZ-Foto: D. Klementz
 
MOZ-Foto: Szene aus der Sommertheater-Aufführung des vergangenen Jahres, "Alibaba und die vierzig Räuber". MOZ-Foto: Bärbel Kloppstech