Debatte um WindkraftanlageWerder. Seit gut vier Jahren wird in Werder über die Errichtung einer Windkraftanlage debattiert. Am Donnerstag gab es dazu eine Bürgerversammlung. Neue Argumente für und gegen den WindparkWerder: Entscheidung nach der Bürgerversammlung nicht einfacherVonREINHARD SCHLIEBSWerder. Seit Erscheinen des Windkrafterlasses in Brandenburg im Mai 1996 wird in Werder über die Errichtung einer Windkraftanlage (WKA) debattiert. Am Donnerstag hatten die Gemeindevertreter zu einer Bürgerversammlung zum Thema Windpark eingeladen. Die Diskussion war kontrovers und emotionsgeladen. 1998 war im Flächennutzungsplan (FNP) eine Fläche für eine Windanlage ausgewiesen worden. 1999 folgte der Beschluss über die Auslegung des Entwurfs eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für WKA. Dann kamen den Gemeindevertretern vielfältige Bedenken, und einen Monat später wurde der Auslegungsbeschluss wieder aufgehoben. Es wurde festgelegt, weitere Recherchen anzustellen, die Meinung der Einwohner einzuholen und dann endgültig über pro und contra Windpark zu entscheiden. Bedenken zur LärmbelästigungAuf der Bürgerversammlung am Donnerstag resümierte Bürgermeisterin Heide von Bockelberg noch einmal den Verlauf der Windpark-Debatte seit 1996. Als Fazit benannte sie jeweils drei Argumente für und gegen einen Windpark. Dafür sprächen die Auskunft der neuen Landesregierung, unter den erneuerbaten Energien auch die Windkraft fördern zu wollen. Es läge die Bereitschaft eines Investors vor, mit der Gemeinde einen städtebaulichen Vertrag abzuschließen, wodurch die Gemeinde das Vorhaben beeinflussen könne. Und schließlich solle es einen Vertrag über die Einnahmen geben (andere Einnahmequellen sieht die Gemeinde für die Zukunft nicht). Dagegen sprächen, dass es sich um einen erheblichen Eingriff in die Natur handle, große Bedenken zur Geräuschbelastung vorlägen und Ängste vor dem Disco-Effekt verbreitet seien. Zu den bisherigen Pro-Argumenten kamen weitere hinzu: die Möglichkeiten, durch Verträge Spielräume zu erhalten. Wirtschaftliche Vorteile für Landbesitzer und Gemeinde sowie die Gefahr, nach einer Gemeindereform das Mitspracherecht zu verlieren. Die Bürgermeisterin verwies auf eine Auskunft der Landesregierung, wonach der Regionalplan, der die Windflächen auch für Werder enthält, höheren Stellenwert als der FNP habe. Praktisch bedeute das, dass ein Investor auch ohne Zustimmung der Gemeindevertretung mit Landesbesitzern die Errichtung von WKA aushandeln könne. Bauamtsleiter Marco Böttche bestätigte das. Zu den bisherigen Gegenargumenten kamen unter anderem Folgende hinzu: Behauptungen über mögliche gesundheitliche Schäden der inneren Organe und des Wohlbefindens als Folge der auftretenden Geräuschfrequenzen. Bezweifelt wurde die Möglichkeit, vor Ort die für negative Wirkungen entscheidende Entfernung der WKA vom Wohnbereich auf einen ungefährlichen Abstand ausdehnen zu können. Bezweifelt wurde auch, dass die Windkraft eine Alternative darstelle, weil es in Deutschland überhaupt keinen zusätzlichen Energiebedarf gebe. Unabhängiges Gutachten gefordertIm Falle einer WKA sei mit einer Entwertung der Grundstücke zu rechnen, war ein weiteres Gegenargument. Schließlich kam auch der Hinweis, dass Werder in einem Vogelschutzgebiet der Europäischen Union liege. Schwerpunkte waren also Warnungen vor den akustischen Auswirkungen der Windräder und die Forderung nach einem unabhängigen akustischen Gutachten. Die Entscheidung für oder gegen einen Windpark ist für die Gemeindevertreter nach dieser Bürgerversammlung nicht leichter geworden. Aber sie ist unausweichlich. |