Litauen zeigt Gefühl in der Märkischen SchweizEx-Präsident Landsbergis als Pianist in BuckowVonPETER BUSKEBuckow. Statt Klassik im Grünen gab es diesmal Klassik im violetten Polstergestühl. Vorsichtshalber, weil witterungsbedingt, waren die naturidyllischen Buckower Begegnungen am Sonntag vom traditionellen Stadtpark in das Parktheater ausgewichen. Bei einem Konzert und Podiumsgespräch zum zehnten Jahrestag der Unabhängigkeit Litauens stand die Musik und die gegenwärtige kulturpolitische Situation dieses Landes im Mittelpunkt jener kulturellen Begegnungen mit dem Land Brandenburg, die ebenfalls auf zehn Jahre zurückblicken können. In diesem Zeitraum gab es eine Vielzahl von Auftritten litauischer Ensembles, Chöre, Instrumental- und Vokalsolisten. Im internationalen Kammerorchester Buckow, stets neu zusammengestellt bei den hiesigen Musikwerkstätten, wirken immer wieder litauische Musiker mit. Seine größten Erfolge feierte es unter Leitung des litauischen Dirigenten Saulius Sondeckis. Auch beim Gesangsseminar in Beeskow waren es immer wieder Kursteilnehmer aus dem Land des Gesangs, die zu den Preisträgern gehörten. Aufführungen von Werken litauischer Komponisten, wie die deutsche Erstaufführung des Oratoriums "Centones meae urbi" von Onute Narbutaite unter Beteiligung des litauischen Kammerchores "Aidija" in der Frankfurter St.-Gertraud-Kirche, runden die Erfolgsbilanz des gegenseitigen Kennenlernens ab. Nun gab es am Wochenende in Buckow erneut Litauisches aus erster Hand. Zu diesem Ereignis war Vytautas Landsbergis angereist, um Werke des heimatlichen Komponisten Mikolajus Konstantinas Ciurlionis (1875-1911) zu spielen. Der frühere Präsident Litauens und heutige Vorsitzender des Parlaments ist nicht nur Politiker, sondern Pianist, Musikwissenschaftler und Mitglied des Kuratoriums "Buckower Begegnungen". In einem längeren Vortrag: stellte Landsbergis Leben und Werk des bekanntesten litauischen Tonsetzers und Malers vor. Ciurlionis Bilder habe er als Musikwerke konzipiert, diese wiederum malten romantische Natur- und Seelenstimmungen. Eine Auswahl von Präludien, die Namen wie "Pastorale" oder "Herbst" tragen, sowie "Sieben Variationen auf eine Reihe von neun Tönen" erzählte davon. Landsbergis sah sich dabei als pianistischer Handwerker, ohne jegliche virtuose Absichten, in der Mittlerrolle. Er verwendete viel Pedal, wodurch vor allem die Schlussakkorde der Stücke endlos lange nachschwangen. Was er an überbordendem Gefühl einsetzte, fehlte weitgehend dem Chordos Quartett Vilnius. Unter klanglicher Vorherrschaft der Primaria Ieva Siaityte spielte es mit straffer Bogenführung und wenig geschmeidig Joseph Haydns G-Dur-Quartett. Die spröde Tongebung war der Klangverschmelzung der einzelnen Instrumente eher hinderlich. Auch die schlechte Spieltechnik und unsaubere Intonation waren nicht dazu angetan, sich an diesem Stück zu erfreuen. Wie verwandelt hörte sich das Ensemble beim Vortrag von heimatlichen Werken zeitgenössischer Komponisten an. Das Streichquartett "Der Tod und das Mädchen" von Algirdas Martinaitis (geboren l950) präsentierte sich als überaus theatralische, von Kontrasten lebende Kammermusik. Besänftigenden melodischen Klängen des Todes stehen zunächst groteske, aufgeregte und angstvolle, dann seufzende und sterbende Klangstrukturen des Mädchens gegenüber. Viele gleitende Streicheffekte blieben im Ohr haften. Im Streichquartett Nr.1 "O Geliebte" von Vidmantas Bartulis (Jahrgang 1954) waren es die Wiederholungen von kleingliedrigen Tonfolgen gleichsam die litauische Antwort auf die amerikanische Minimal Music. Mit dem nötigen Gespür für den Monolog eines emphatisch Liebenden breiteten die Vier das originelle Stück aus, das in ein tänzerisches Furioso mit Schmatzküssen mündet. Viel Beifall, dem in der Galerie zum alten Warmbad ein aufschlussreiches Podiumsgespräch mit Vytautas Landsbergis folgte. Foto:
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