Abrissbirne schwebt über BrennereiNaturpark-Chef Grützmacher sucht reichen und verrückten Investor für Ruine in Ringenwalde | |
Von INA BOCKHOLTRingenwalde (MOZ) Der Chef der Naturparkverwaltung, Gerhard Grützmacher, will Teile des verfallenen Gutshofs am Ortseingang Ringenwalde vor dem bevorstehenden Abriss retten. Er wünscht sich, dass der Komplex auf ähnliche Weise restauriert werden kann wie der Ortskern von Ihlow. Dort haben engagierte Zugezogene mit eigenen Mitteln Häuser wieder aufgebaut und so die historische Ortsansicht wieder hergestellt. Es gibt doch noch Leben zwischen den Ruinen. Zwei Störche sitzen auf dem Schornstein und blicken über das Gelände des verfallenen Gutshofs. Der Komplex aus Scheunen, Ställen und einer alten Schnapsbrennerei steht schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts am Ortseingang von Ringenwalde. Jahrzehntelang hat die Adelsfamilie von Bredow den Hof bewirtschaftet. Ab den 50er Jahren war dort eine LPG untergebracht. Mitte der Wer Jahre wurde der Komplex dann wegen Baufälligkeit stillgelegt. Nach der Wende teilten sich Privateigentümer, Gemeinde und Treuhand das Gelände. Ende Mai hat die Treuhand-Nachfolgerin Bodenverwertungs- und Verwaltungs-GmbH (BVVG) mit Sitz in Berlin und Cottbus nun eine Abrissgenehmigung für die von ihr verwaltete alte Schnapsbrennerei zum 1. Juli beantragt. "Noch hat das Amt Neuhardenberg den Antrag nicht genehmigt", sagt BVVG-Sprecherin Constanze Fiedler. Die Verzögerung betrachtet Gerhard Grützmacher von der Naturparkverwaltung Märkische Schweiz als Chance. Um die Abrissbirne möglichst für immer von der Brennerei fernzuhalten, sucht er nach einem Investor. "Es müssen Leute sein, die reich und verrückt sind", sagt Grützmacher. Er könnte sich gut vorstellen, den Komplex als Pferdestall auszubauen oder ein kleines Gewerbe einzurichten. Das Gebäude liege mitten in der Märkischen Schweiz, nur zwei Kilometer vom Dolgensee entfernt. Grützmacher denkt an Ihlow, wenn er über die Zukunft des Guts spricht. Dort haben sich Bürger von auswärts niedergelassen und dem verfallenen Ortsbild sein historisches Gesicht zurückzugeben. Die alte Brennerei liegt dem Naturpark-Chef am Herzen, weil die Außenwände in der so genannten Zwickeltechnik errichtet worden sind. Bei dieser Bautechnik wurden unterschiedlich große Feldsteine miteinander vermauert. Die Fugen fallen außer Mörtel noch kleine Steine. Diese groben Mauern geben dem Haus aus dem 19. Jahrhundert eine mittelalterlich-romantische Fassade. Gegen einen Investor hätte auch die BVVG nichts einzuwenden. "Schließlich ist es unsere Aufgabe, zu privatisieren und nicht abzureißen", so Constanze Fiedler. Sie seien allerdings demnächst zu dem Schritt gezwungen, weil es eine Ordnungsverfügung des Amtes gegeben habe. Nicht abrissbedroht ist nach Auskunft der BVVG der kirchturmhohe Fabrikschornstein, auf dem die Störche nisten. Auch die größeren Gebäude seien nicht betroffen. Die gehörten Privatleuten und der Gemeinde. Über die genauen Eigentumsverhältnisse war am Freitag beim zuständigen Amt Neuhardenberg ebenso wenig zu erfahren wie über den Stand der Abrissgenehmigung. Einen Schritt in Richtung Rettung ist Ringenwaldes Bürgermeister Jens Derwis vor zwei Jahren gegangen. Damals hat er eine alte Scheune des Komplexes gekauft. Was er damit machen wird, weiß er noch nicht genau. "Scheune und Brennerei gehören aber zu unserem Ort", sagt er. Immerhin feiern die 146 Einwohner auf dem Platz davor in jedem Jahr ihr Dorffest. An diesem Wochenende ist es wieder soweit.
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