Klezmer, Lyrik und Prosa in Buckow
Literaturfest im Brecht-Weigel-Haus
Von JENS SELL
Strausberg (MOZ) Das Literaturfest ist zum Höhepunkt des Buckower Literatursommers
geraten. Im Garten des Brecht-Weigel-Hauses hörten mehr als 100 Besucher Lesungen von vier
Schriftstellern und Klezmer von "Grinsteins Mischpoche".
Eine "helle Aprilgeschichte, die man auch im Juli lesen kann", kündigte Klaus
Schlesinger ("Berliner Traum", "Von der Schwierigkeit, ein Westler zu werden")
zu Beginn seiner Lesung in Buckow an. Aus seinem jüngsten Roman "Trug" brachte er eine
Episode, die das Thema aus seinem Berliner Traum variiert: wieder in der Mauerstadt, aber diesmal
ein westdeutscher Immobilienspekulant, der sich wegen einer Betriebsstörung der Bahn unverhofft
im Osten wiederfindet. Im Espresso Unter den Linden - "Wir nannten es auch Caf&eecute;
Kaputt" - trifft er auf sein jüngeres Spiegelbild - einen Architekten, der nicht wie
der Held nach dem Westen ging, sondern in den 70ern die Chance bekam, eine Stadt zu bauen.
In seinen Plan griff der Staatsratsvorsitzende ein, und als er ihn mit einer List
wiederherstellen wollte, brach seine Karriere ab. Es ist Schlesingers Thema: die Unterschiede
im Selbstverständnis von DDR- und BRD-Bürgern. Skolut, der aus Ostberlin, versteht nicht, wie
sich jemand darüber erregen kann, dass er zu kalten Eiersalat serviert bekommt, und sagt über
sich einen Satz wie: "Ich wollte nie hochkommen, ich wollte eine Arbeit machen, die nicht nur
mir, sondern auch den anderen nützt." Und Strehlow, der in Westberlin den Deal seines Lebens
machen wollte, verteidigt wütend den spekulativen Gelderwerb gegen die Verachtung.
Schlesinger rief in Buckow viel Zustimmung und Beifall hervor. War doch sein Text
für das zum großen Teil aus dem Osten Berlins stammende Publikum geradezu maßgeschneidert.
Auch der Ausflug nach Brandenburg, den Kathrin Röggla bot, und Ulrich Peltzers Flug nach
Bukarest aus dem Roman "Alle oder keinen" kamen gut an. Betroffen machten das
Auditorium dagegen die Gedichte von Jovan Nikolic, einem - wie er sich selbst nennt
"Cigan" ("Zigeuner") aus Serbien, über seine Kriegsahnungen bereits in den 8Oer Jahren.
Foto:
- Kommt nicht los vom "Berliner Traum": Klaus Schlesinger versetzt in "Trug"
einen "Westler" in den Osten Berlins.
MOZ-Foto: Jens Sell
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