Schmökert im Kochbuch auch im RuhestandFür die Kita-Kinder lässt sich Irmgard Bellach auch mal in den Topf guckenVonAENNE KÜRSCHNERRehfelde. Als Köchin hat Irmgard Bellach in der Rehfelder Kindertagesstätte ein Kapitel Geschichte mit Gemüsemesser und Kochlöffel geschrieben. Ende August geht sie in Rente, gefolgt von ihrer langjährigen Mitstreiterin Ingrid Diethert im September. "Sie hat sich so stark engagiert und um alles Gedanken gemacht", lobt Brigitte Hermann, die Leiterin der Kindertagesstätte, mit Wehmut in der Stimme. Hier schwört man vom Jüngsten bis zum Ältesten auf die Küchenfrauen. So recht zufrieden ist Irmgard Bellach über den Renteneintritt nicht. Deshalb wollte sie zum Beispiel unbedingt noch bis Schuljahresende ihrer Arbeit als Köchin nachgehen, ehe sie in den Ruhestand geht. So viel Spaß hat ihr der Beruf gemacht, in dem sie verwirklichen konnte, was sie immer machen wollte: Backen und Kochen, von je her ihre Lieblingsbeschäftigungen. Jedes Wochenende stellt sich Irmgard Bellach in die heimische Küche und probiert neue Rezepte aus. Oder aber sie verlässt sich auf alt Bewährtes. Diese Vielfalt und Abwechslung macht auch das Essen in der Kita nach Auffassung vieler einzigartig. "Manche Leute ohne Kinder denken wirklich, dass es bei uns nur Suppe auf dem Mittagstisch gibt", erzählt Irmgard Bellach. "Dabei ist das nur mittwochs so, denn da sind die Kinder meistens unterwegs. Ansonsten kochen wir alles, über Rinderroulade, Gulasch, Kartoffelpuffer bis hin zur Bratwurst mit Roter Beete." Danach gibt's auch noch ein Schälchen Kompott, meistens Pudding oder andere Milchspeiseprodukte. Aber auch Obst kommt nicht zu kurz, über den ganzen Tag verteilt. Dass das Essen bei den Kindern sehr beliebt ist, machen auch Geschenke deutlich, die die Küchenfrauen bekommen. "Sie sind immer jahreszeitlich geschmückt und zu behaupten, dieses oder jenes wäre das Schönste, ist falsch. Aber es kommt auch schon mal vor, dass die beiden Köchinnen eine Urkunde bekommen für ihre Arbeit", berichtet Brigitte Hermann. Streit zwischen ihnen konnte kaum aufkormnen, denn eine bestimmte in der einen Woche, was zubereitet wird, und in der nächsten die andere. Das klappte gut zwischen Irmgard Bellach und ihrer Kollegin Ingrid Diethert. "Diese kann ebenfalls gut kochen, aber Frau Bellach ist noch einfallsreicher. Und so manchen Trick hat sich Frau Diethert von ihr abgeguckt, obwohl sich Frau Bellach nicht gerne in den Topf gucken lässt", weiß die Leiterin der Kita. Jeden Morgen um halb sieben ging es los, damit die Kinder um halb zwölf ihr Mittagessen auf den Tisch bekamen. "Wer kochte, musste dabei die ganze Zeit am Herd stehen, während der andere das Kompott zubereitete und die übrigen Erledigungen machte", sagt Irmgard Bellach. "Ich habe aus meinem Garten oft noch Kräuter mitgebracht, um die Speisen zu verfeinern. Und garniert wurden sie, denn das Auge isst schließlich mit." Die seit 1959 in Rehfelde wohnende Köchin will sich nun mehr um Mann und Garten kümmern. Aber auch das aktuelle Zeitgeschehen interessiert sie. "Dicke Bücher sind zwar nichts für mich. Da lese ich doch lieber meine Tageszeitung, um mich nicht nur politisch auf dem Laufenden zu halten. Oder ich gehe in den Garten und harke. Und sollte ich doch mal ein dickeres Buch zur Hand nehmen, ist es mit absoluter Sicherheit ein Kochbuch. Schließlich will ich auch mal wieder etwas Neues ausprobieren." |