Quelle: Märkische Oderzeitung, Strausberger Ausgabe vom 03.08.2000

Geschichten vom Leben in der freien Natur

Die Autorin Lia Pirskawetz engagiert sich für mehr Umweltbewusstsein / Lesung in Waldsieversdorf

Von
REGINA Z1BELL

Waldsieversdorf. Texte der Trägerin des Brandenburgischen Umwelt-Literaturpreises werden am kommenden Dienstag im Gemeindehaus Waldsieversdorf vorgestellt. Die Schriftstellerin und Hörspielautorin Lia Pirskawetz engagiert sich für die Erhaltung der Natur als Seelenraum. Bereits in ihrem 1985 veröffentlichten Umweltroman "Der stille Grund" fragte sie nach dem Wert von Natur. Was kostet eine Schlüsselblume? Wieviel wert ist uns das Leben eines Bibers oder einer Rohrdommel? In ihrer Laudatio auf die Preisträgerin erläuterte die Schriftstellerkollegin Lonny Neumann seinerzeit das Anliegen der Autorin. Lia Pirskawetz wolle verlorene und bedrohte Wertvorstellungen verdeutlichen und diese gegen Macht und Besitz verteidigen. Und so wurde der Literaturpreis Umwelt Lia Pirskawetz für ihr Gesamtwerk als Pionierin urnweltengagierter schöner Literatur verliehen.

Lia Pirskawetz ist von ihrer Fragestellung aus dem Jahre 1985'keinen Deut zurückgewichen, im Gegenteil, sie stellt mit ungebrochener Vehemenz dieselben wichtigen Fragen, auf die es keine andere zufriedenstellende Antwort zu geben scheint, als rigorose Ehrlichkeit mit sich selbst. Die vom Umweltminister als "Moralistin und unverbesserliche Romantikerin" bezeichnete Autorin ließ sich von Rückschlägen nicht entmutigen. Seit sie Zugang fand zu Umweltschützern, blieb sie entschlossene Gegnerin von Sachzwängen und Grenzen. So stellte sie Vermutungen an, warum mit steigendem Umweltwissen ein abnehmendes Umweltbewußtsein zu verzeichnen ist. Gründe fürs Nichtstun fand die Ausgezeichnete genug. Sie scheinen jedem von uns einen Spiegel vor das Gesicht zu halten: Zu wenig Betroffenheit, eine gestörte oder zerbrochene Heimatbeziehung, Naturentfremdung, Verwirrspiele mit Zahlen und ständige Wiederholung werden von ihr für reduzierte Wahrnehmungsfäbigkeit verantwortlich gemacht.

In den 70er Jahren begann Lia Pirskawetz ihre Umweltrecherchen. Damals verfielen 700 Gutsparke der DDR, verwaldeten oder wurden zweckentfremdet genutzt. Auf Grund dieser Arbeit schrieb sie das Umwelthörspiel "Das Haus am Park", in dem es der Schriftstellerin um die Vermittlung von ästhetischen und ethischen Werten der Kulturlandschaften geht. Von 1981 an war sie bei den Brodowiner Gesprächen dabei, die Reimar Gilsenbach in seinem Wohnhaus ins Leben rief. Vier Jahre später erschien "Der Stille Grund", ein Umweltroman, in dem sie sich mit dem damals noch tabuisierten Thema Umweltschutz auseinandersetzte.

In diesem Buch verwendete sie auch Originalzitate Ernst Rudorffs, dem Begründer des deutschen Heimatschutzes, der schon im 19. Jahrhundert meinte, daß "zwischen gebrauchen und gebrauchen ein Unterschied sei..."` Gemeint war das Maß des Gebrauchs. Durch die Veröffentlichung des Buches bekam die Autorin Kontakt zu diversen Umwelt- und Kulturgruppen, die sie zu Diskussionsabenden einluden. Fünf Jahre danach erschien - leicht verspätet durch die Wende - "Indianersommer", kalifornische Reiseskizzen, die den Nationalparkgedanken Amerikas vorstellten.

1992 gründete die engagierte Umweltverteidigerin den Arbeitskreis Literatur-Umwelt, in dem sie zeitkritische, zukunftsbesorgte und umweltbewusste Schriftsteller ganz Deutschlands zu vernetzen sucht. Regelmäßige Landschaftsexkursionen für Berliner und Brandenburger Schriftsteller organisiert der Arbeitskreis, "um Natur als Seelenraum bewußt erleben" zu lassen. Innerhalb des Arbeitskreises konzipierte Lia Pirskawetz bisher sieben Jahrestagungen, zu denen Persönlichkeiten aus dem Umweltbereich eingeladen worden und dieser Herausforderung auch stets gern gefolgt sind.


Lesung aus dem Werk von Lia Pirskowetz, am 8. August um 15 Uhr im Gemeindehaus Waldsieversdorf, Dahmsdorfer Straße.

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  • Lia Pirskawetz     Foto: Christian v. Polentz