Quelle: Märkische Oderzeitung, Strausberger Ausgabe vom 04.08.2000

Im Fall Garzin hält sich Potsdam noch bedeckt

Am 1. Sentember soll das neue Klärwerk in Garzau offiziell eingeweiht werden

Von
DETLEF KLEMENTZ

Garzau (MOZ) Seit einigen Tagen läuft in der Kläranlage der Probebetrieb. Für den 1. September ist die offizielle Einweihung geplant. Vorher sind aber noch wichtige Fragen zu klären.

Dieter Domke und Klaus Liepke von der Baufirma Heinrich Baasen sind gerade mit dem Verlegen von Treppenelementen beschäftigt, als Manuela Altkrüger vorbeischaut. Die Geschäftsführerin des Wasser- und Abwasser-Zweckverbandes Strausberg Süd-Ost ist mit dem Fortgang der Arbeiten zufrieden. Am 31. Juli hat ihr Verband das Werk vom Hauptauftragnehmer und Anlagenlieferer mallbeton aus Coswig übernommen. Am selben Tag hatte die Zernsdorfer Firma AiP den wichtigen Bereich der Steuerung der Klärung übergeben. Seither läuft der Probebetrieb. Bis zur offiziellen Einweihung am 1. September sind noch einige Restarbeiten auszuführen. Auch der Zaun um das Gelände muss noch aufgestellt werden.

Doch Manuela Altkrüger drücken derzeit ganz andere Probleme. Die 1,1 Millionen Mark teure Anlage, die zu 60 Prozent mit Landesfördermitteln errichtet wurde, ist für 1500 Einwohner ausgelegt. Garzau habe knapp 300 Einwohner, so die Geschäftsführerin. Hinzu kämen rund 450 Bewohner der neuen Rehfelder Wohngebiete Bahnhofstraße und am Grenzgraben. Dann aber wird es problematisch. Für dieses Jahr habe das zuständige Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung die Schmutzwassererschließung der knapp 400 Bewohner von Werder abgelehnt. "Im Fall Garzin mit seinen 215 Einwohnern dauert die Bearbeitung schon zwei Jahre." Die Zeit dränge. Ohne die beiden Orte sei die Anlage nur zur Hälfte ausgelastet, sagt Manuela Altkrüger. Ohne Förderung sei aber kein Anschluss möglich. Garziner Bürger hätten sich in dieser Frage bereits an Ministerpräsident Manfred Stolpe gewandt. Der habe das Schreiben an das Ministerium weitergeleitet. Von dort sei den Bürgern mitgeteilt worden, dass Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern bei der Schmutzwassererschließung keine Landesförderung bekämen. "Die Bürger haben uns darüber dann informiert", sagt die Geschäftsführerin. Ihr Verband habe bis heute weder eine Zustimmung noch eine Ablehnung aus Potsdam erhalten.

Auch Bernd-Ulrich Wilk vom Planungsbüro kann die Haltung des zuständigen Ministeriums in dieser Frage nicht verstehen. "Diese Richtlinien, bei denen es immer auch Ausnahmen gebe", so Wilk, "seien auch beim Bau der Kläranlage bekannt gewesen." Dennoch sei die Anlage mit Landesmitteln gefördert worden.

Ministeriumssprecher Florian Engels erklärte gegenüber der MOZ, dass der Verband bislang keine formelle Ablehnung erhalten habe. In zwei Zwischenbescheiden sei allerdings mitgeteilt worden, dass Garzin angesichts der geringen Einwohnerzahl nicht zu den Förderschwerpunkten gehöre. Engels wollte dies allerdings nicht als Ablehnung verstanden wissen. Er hält es für machbar, die Fäkalien aus den Gruben in Garzin in der neuen Garzauer Kläranlage zu entsorgen.

Geschäftsführerin Manuela Altkrüger weist derartige Überlegungen zurück. "Das ist technisch gar nicht möglich. Dafür gibt es gar keine Annahmestation. "

Fotos:

  • Manuela Altkrüger wartet seit Monaten auf die Förderentscheidung aus Potsdam.
  • Klaus Liepke aus Trebnitz (r.) und Dieter Domke aus Ftingenwalde beim Treppenbau an der neuen Kläranlage an Garzau. Sie soll am 1. September offiziell eingeweiht werden.     MOZ-Fotos (2): Detlef Klementz