Quelle: Märkische Oderzeitung, Strausberger Ausgabe vom 08.08.2000

Singendes Erzählen im Buckower Stadtpark

"Klassik im Grünen": Dänisch-litauisches Klavierquartett servierte anspruchsvolle Kost

Buckow (pb) Endlich einmal warmes Sommersonnenwetter an einem Sonntagnachmittag. So konnte, was als "Klassik im Grünen" geplant, auch im Grünen stattfinden. Der prächtige Musikbaum im Stadtpark barg diesmal unter seinen weitausladenden Ästen das Ensemble "Fontem Noves", das als dänisch-litauisches Klavierquartett anspruchsvolle Kost von Beethoven, Schumann und Brahms zur geistigen Unterhaltung bei dieser Buckower Begegnung bot. Sozusagen ein Kurkonzert auf hohem kammermusikalischen Niveau.

Natürlich gingen dabei der Feinheiten, wie sie ein akustisch geschlossener Raum bietet, verloren. Dafür gewann sich das Ohr die stimmungsreiche Verbindung von Musik und Naturlauten hinzu. Die Lautstärke, welche vorzugsweise im Leisen die Sinne erreichte und schärfte, schien mitunter wie vom Winde verweht. Dennoch blieb unüberhörbar, dass die vier Musiker für jeden Komponisten den rechten Tonfall fanden. Musiziert wurde auf robusten Instrumenten, die den fast zweistündigen Aufenthalt im Freien weitgehend klangklaglos aushielten. Erfreulich weiterhin, dass das federführende Klavier (John Damgaard) weder über die Violine (Gunnar Tagmose) noch die Viola (Audrone Psibilskiene) und das Violoncello (Ulrikke Host-Madsen) dominierte.

Die Folge war ein sehr gelöstes Miteinander, das dem Quartett Es-Dur op. 16 von Ludwig van Beethoven allen Charme enthüllte. Seine typische Bläsertonart verweist darauf, dass dieses Werk auch in einer vom Komponisten herrührenden Quintettfassung vorliegt, bei der die Streicher durch Oboe, Klarinette, Horn und Fagott ersetzt sind. Ein Schuss Serenadenseligkeit hat sich für die pure Wiedergabe auf Saiten erhalten. Die Hauptthemen waren durch das Ensemble freundlich ausgebreitet. Mit einem gleichsam singenden Erzählen bestimmten sie die drei Sätze, deren milde kontrastierende Episoden sie immer wieder zu leidenschaftlichen Erregungen führten.

Der klassizistischen BeethovenKlarheit folgte das effektvolle, romantisch geprägte Klavierquartett Es-Dur op. 47 von Robert Schumann. Dunklere, glutvolle und gefüblsgetränkte Farben herrschten vor. Die Partnerbeziehungen wurden nun vor allem durch die "Doppelpässe" von Klavier und Cello bestimmt, in die sich die anderen erfolgreich einmischten. Dabei wurden die pulsierenden Pointen genauso ausgekostet wie die zarten Gespräche beim liedhaft Schmachtenden und geisterhaft Huschenden.

Den sich kaum aufhellenden Ernst des Klavierquartetts Nr. 3 c-Moll op. 60 von Johannes Brahms brachten die Musiker ausdrucksstark zur Geltung. Die abgerissenen Seufzer und Leidensgesten, von denen die vier Sätze durchzogen sind, erklangen mit der erforderlichen Herbheit, die Romanzenseligkeit mut beklemmend tragischem Unterton. Die markarten und beunruhigenden Läufe des Klaviers setzten immer wieder dramatische Akzente. Dem autobiografischen Bezug der Komposition (Brahmsens Liebe zu Clara Schumarm) war das Ensemble "Fontem Noves" sehr nah. Die ,Buckower, ihre Kurgäste und Tagestouristen schienen es zu spüren und spendeten der dänisch-litanischen Spielgemeinschaft reichen Beifall.