Quelle: Märkische Oderzeitung, Strausberger Ausgabe vom 06.10.2000

Märkische Schweiz: Minister als Friedensstifter

Wolfgang Birthler (SPD) schlagt Vermittlungsverfahren vor

Von
Jens Sell

Buckow (MOZ) Die Landesregierung will mit einem Meditationsverfahren den Konflikt zwischen den Kommunen, Vereinen und Interessengemeinschaften mit der Naturparkverwaltung Märkische Schweiz entschärfen. Landwirtschafts- und Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) kündigt dies in einer Versammlung des SPD-Ortsvereins am Mittwochabend an.

Das Land investiere zwei Millionen Mark in ein "touristisches Highlight" für Buckow, in das Schweizerhäuschen, den neuen Sitz der Naturparkverwaltung Märkische Schweiz. Dochh statt Dankbarkeit entnahm die Potsdamer Ministerialbürokratie dem Pressespiegel erschrocken die Berichte üher eine Gegendemonstrationen von 300 Bürgem. "Das hat dem Ruf der Region und speziell Buckows enorm geschadet", schimpfte ein sichtlich entäuschter Minister für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung Wolfgang Birthler (SPD) am Mittwochabend im Buckower Hotel "Bellevue" als Gast des SPD-Ortsvereins. Er bekam dafür keine Zustimmung, ganz im Gegenteil: "Das war Ausdruck lebendiger Demokratie", hielt ihm seine Genossin Melitta Schubert, Stadtverordnete, entgegen. "Bergschlösschen"-lnhaber Uwe Skerka blieb es schließlich vorbehalten, als einziger dem Minister für die Investition zu danken, die jenen Winkel Buckows wieder zum Ziel von Spaziergängern gemacht hahe, in dem er einst aufgewachsen sei.

Sonst war der von einem gewohnt wortgewandten Dr. Harro Hess moderierte Abend wie alle Veranstaltungen zum Problem des Zusammenlebens im Naturpark durch heftige Vorwürfe gegen die Naturparkverwaltung geprägt. Den Part des Naturparks gab diesmal Minister Birthler und der Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft für Großschutzgebiete Dr. Axel Vogel. Da die seit zehn Jahren offenkundigen "Sprachstörungen und Spanungen" (Amtsdirektor Dietrich Dammann), die inzwischen in der massiven Forderung, die Naturparkverordnung als aus den letzten Tagen der DDR stammende Rechtsgrundlage für null und nichtig zu erklären, gipfeln, Potsdam beunruhigen, will Birthler nun Frieden stiften: "Wir schlagen Ihnen vor, hier in der Märkischen Schweiz das erste Meditationsverfahren in unserem Land einzuleiten." Gemeint ist die Vermittlung der widerstreitenden Interessen durch einen unabhängigen Moderator, um die starken Kräfte beider Seiten in eine kompromissfähige Richtung zu lenken und die Region damit voranzubringen. Die mit öffentlichem Geld bezahlte Mediation sei jetzt in der Ausschreibung. Es umgehe nicht die demokratischen Gremien, sondern soll eine einvernehmliche Lösung befördern, die dann entsprechend beschlossen werden könnte.

Der Vorschlag stieß nicht ausschließlich auf Zustimmung, Manfred Dosdall, Interessengemeinschaft Märkische Schweiz: "Wir brauchen kein Meditationsverfahren, wir brauchen eine neue Rechtsgrundlage für den Naturpark ohne Zwang zur Einvernehmlichkeit bei Genehmigungen". Jürgen Brauns: "Hier werden Maximalforderungen in teilweise dogmatischer Form aufgemacht. Es muss jemand von außerhalb kommen, um die zerstrittenen Parteien zusammenzuhführen." Gerhard Grützmacher, der Chef der Naturparkverwalltung, hatte sich an diesem Abend nicht geäußert.

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  • Reichenbergs Bürgermeister Erhard Grundmann, Professorin Anne Wolf (Ihlow) und Manfred Dosdall, Interessengemeinschaft Märkische Schweiz, im Gespräch mit Landwirtschafts- und Umweltminister Wolfgang Birtler. MOZ-Foto: Jens Sell

Reimar Gilsenbach

Der Brodowiner Naturschützer und Schriftsteller Reimar Gilsenbach hatte in einer Versammlung des Naturschutzparkvereins Märkische Schweiz am 2. April 1993 fünf Thesen zum Naturpark "Märkische Schweiz" aufgestellt.

In der zweiten dieser Thesen heißt es: "Geraten diejenigen, denen es mehr um Naturschutz geht, und diejenigen, die eher Fremdenverkehr und Wirtschaftsentwicklung gefördert sehen möchten, einander in die Haare, dann gnade Gott der 'Märkischen Schweiz' -ihre Zukunft wird öde sein."