Quelle: BLICKPUNKT, Strausberger Ausgabe vom 18.03.2001

In Klosterdorf soll eine der größten Eigenheim-Siedlungen Brandenburgs entstehen

Buckow. Da hört aber der Spaß auf! Am vergangenen Freitag gab es einen Anruf im Sekretariat der Buckower Bertolt-Brecht-Schule. Eine männliche jugendliche Stimme forderte: "Lassen Sie die Schule räumen, in zehn Minuten geht eine Bombe hoch!"

Rund 600.000 Altreifen waren es insgesamt, gut die Hälfte liegt immer noch auf dem Acker unmittelbar am Ortseingang Klosterdorfs. Für die Entsorgung der Altlast gescheiterten Unternehmertums aus der Nachwendezeit kommt jetzt die Firma van Boekel aus den Niederlanden aus freien Stücken auf. Das lässt sich die Entsorgung runde 850.000 Mark kosten, und nimmt damit der 460 Einwohner zählenden Gemeinde eine schwere Last von den Schultern.

Doch die Entsorgung der Altreifen ist für das, was van Boekel in Klosterdorf vor hat, eher eine Randnotiz. Auf der insgesamt 40 Hektar großen von Ackerland in Bauland umgewandelten Fläche soll Brandenburgs größter neuer Wohnpark entstehen. (Zum Vergleich: Der Gewerbepark in Strausberg-Nord nimmt eine Fläche von 56 Hektar ein.) Langfristig ist die Errichtung von 500 Hauseinheiten geplant, womit etwa 1500 neue Einwohner für Klosterdorf in Aussicht stehen.

Warum ausgerechnet in Klosterdorf? "Wir wollten einen Standort haben, bei dem einfach alles stimmt", so Architekt Joachim Plassmann. Dazu zählten die gute Infrastruktur der Umgebung, die Nähe zu Strausberg wie auch zum Naturpark "Märkische Schweiz", an den das Bauland unmittelbar angrenzt. Nur wenige Meter vom Bauland entfernt befindet sich die Koppel des Klosterdorfer Reiterhofs, der S-Bahnhof Strausberg-Nord ist fünf Auto-Minuten entfernt. "Das Umfeld stimmt in jeder Beziehung", strahlt Joachim Plassmann.

Das Vorhaben "Wohnen am Naturpark ‚Märkische Schweiz'" ist schon seit 1992 im Gespräch. Gutachten mussten erstellt, Bedenken ausgeräumt werden. Hinsichtlich der großen Fläche am Naturpark wurde sogar Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe erfolgreich konsultiert, um den zuständigen Behörden die Bewilligung zu erleichtern.

Laut Klosterdorfs Bürgermeister Lothar Arndt (parteilos) habe sich die Gemeinde immer wieder mit dem Vorhaben beschäftigt, er spricht heute von einem "sehr schönen Bebauungsplan, der sich gut an die jetzige Ortsgestaltung anlehnt". Zudem weise der B-Plan eine im Vergleich zu anderen Plänen ungewöhnlich lockere, viel Raum lassende Bebauung auf.

Das Projekt braucht einen langen Atem und viel Kapital, so viel, dass im Frühjahr letzten Jahres das Berliner Unternehmen Kittel-Immobilien vom Projekt abgesprungen ist. Mit dem im Tief- und Landschaftsbau erfahrenen, im niederländischen ansässigen Unternehmen van Boekel wurde ein neuer Investor gefunden. Die Firma beschäftigt 350 Leute und ist in Deutschland nicht das erste Mal aktiv.

Der Architekt vergisst nicht, auf die beiden Musterhäuser hinzuweisen, die demnächst errichtet werden sollen. "Es werden Häuser sein, die es so n der Region noch nicht gibt", macht Joachim Plassmann gespannt.

32 Baugrundstücke seien mittlerweile notariell verkauft worden. Mit dem Bau der ersten Häuser und den ersten Erschließungsarbeiten soll Ende April/Anfang Mai begonnen werden.

(DF)

    Fotos:
  • Eines der Musterhäuser, die demnächst auf dem Gelände entstehen sollen.
  • Ein Standort, bei dem alles stimmt: Bauschild am Ortseingang von Klosterdorf.
  • Angesichts der Größe des Bauvorhabens für den Investor eher eine Randnotiz: 850.000 Mark soll die Altreifen-Beräumung kosten.       Fotos: Harry