Quelle: Märkische Oderzeitung, Strausberger Ausgabe vom 21.02.2001

Leserbrief

Naturschutz darf sich nicht verselbstständigen

Zu "Naturschutz muss flexibel gestaltet werden" und "Kehrtwende im Naturschutz" (MOZ vom 1. Februar):

Endlich kommt der Naturpark auf den Prüfstand, hört man viele Menschen sagen. Aber eigentlich geht es hier nicht um den Naturpark, sondern um dessen Ausgestaltung. Zehn Jahre wurden die Menschen der Region, ja die Region selber, durch überspitzten Naturschutz in ihrer Entwicklung gehemmt. Mediation (Vermittlung zwischen Streitenden Anm. d. Red.) ist für mich neu und ich setze große Hoffnung in ein demokratisches Verfahren, denn wir brauchen jetzt einen Neuanfang mit allen Konsequenzen.

Unser oberstes Ziel muß es sein, den Naturschutz und die Region so zu entwickeln, dass die Menschen von nah und fern den Naturpark Märkische Schweiz als Gebiet anerkennen, in welchem Mensch und Natur sich gegenseitig ergänzen. Der Naturpark muß in diese Entwicklung integriert werden. Er kann Motor sein, darf aber niemals als Instrument benutzt werden, um den Menschen aus der Natur zu verbannen. Die Entwicklung des Tourismus als Chance für die Entwicklung unserer Gemeinden ob in Waldsieversdorf, Buckow oder in den kleineren Gemeinden wie z. B. Garzin oder Bollersdorf ist für sie lebenswichtig. Ein gemeinsames Handeln, ein Zugehen aufeinander ist dabei unerlässlich.

Für mich bedeutet Neuanfang, alte, sich nicht bewährte Strukturen zu ändern. Daher als erstes der Appell an die Landesregierung: Besetzen Sie die Leitung des Naturparks neu, schaffen Sie somit die Voraussetzungen, um verloren gegangenes Vertrauen in der Bevölkerung wieder zu gewinnen. Denn die Naturparkverwaltung hat es nicht verstanden, in den letzten Jahren die Ideen von Naturschutz und Entwicklung der Regionen im Einklang zu verwirklichen, denn sonst brauchten wir kein Mediationsverfahren, welches uns nur unnötig Geld kostet, das woanders hätte sinnvoller eingesetzt werden können.

Die Überarbeitung der Naturparkverordnung durch Einbeziehung der Menschen vor Ort gehört ebenso dazu wie die Diskussion um die Entwicklung des Naturparks. Der Naturpark darf sich nicht verselbstständigen, er ist Teil der Region, er muß sich mit den Interessen vor Ort identifizieren.

EGBERT MULLER, Ruckow/Hasenholz