Quelle: Märkische Oderzeitung, Strausberger Ausgabe vom 09.03.2001

Biologische Vielfalt im alten Buchenwald

Einladung zu einem interessanten Vortrag heute Abend im Schweizer Haus

Von
URSULA GRÜTZMACHER

Buckow. Von der Rotbuche beherrschte Wälder haben weltweit ein nur sehr kleines Verbreitungsgebiet, das sich von Südschweden über das westliche Europa bis auf den Balkan erstreckt. Noch seltener sind Tiefland-Buchenwäilder. Die größten zusammenhängenden Bestände, die noch verblieben sind, befinden sich im nördlichen Brandenburg, insbesondere im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin.

Etwas abseits des Hauptverbreitungsgebietes der Rotbuchenwälder gibt es im Naturpark Märkische Schweiz ein besonderes Vorkommen von Rotbuchen-Eichen-Mischwäldern. Der Buckower Kessel mit seinen klimatischen Besonderheiten schafft dafür die Voraussetzungen. Der hohe Anteil an alten Rotbuchen in der Silberkehle und an den Tornowseen ist bekannt. Alt- und Totholz in großen Dimensionen stellen offensichtlich eine besondere Attraktion für die Besucher des Naturparks dar.

In diesen Buchenwäldern leben eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, die entweder nur dort vorkommen oder zumindest solche Wälder bevorzugen. Wie können nun diese Wälder bewirtschaftet werden, ohne die Besonderheiten und typischen Arten der Buchenwälder zu beeinträchtigen? Welche Empfehlungen gibt es seitens des Naturschutzes für eine naturnahe Buchenwaldwirtschaft? Dieser Frage widmet sich ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben der Landesanstalt für Großschutzgebiete, das vom Bundesamt für Naturschutz gefördert wird.

Insgesamt 18 Waldgebiete von in der Regel je 40 Hektar Größe vom Barnim bis zum Müritz-Nationalpark (Serrahn) dienen als Untersuchungsgebiete, die Hälfte davon im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Zu den untersuchten natürlichen Wäldern gehören die berühmten Heiligen Hallen bei Feldberg und das Totalreservat Fauler Ort im Biosphärenreservat. Auf allen Untersuchungsflächen arbeitet das Projekt eng mit den verantwortlichen Revierförstern zusammen - bis hin zu Durchforstungs-Experimenten.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen starke Unterschiede zwischen bewirtschafteten und unbewirtschafteten Wäldern. In unbewirtschafteten Beständen ist der Vorrat stehenden Totholzes zehnmal so hoch, die Brutvogeldichte zwei- bis dreimal so hoch, und es kommen einige Pilz- und Käferarten vor, die den Wirtschaftswäldern völlig fehlen. Von offenbar noch größerer Bedeutung sind aber Strukturen, die sich an alten, aber noch lebenden Bäumen bilden. Ein aus Wirtschaftswäldern kaum noch bekannter Reichtum an Arten, wie zum Beispiel Baumpilzen, Vögeln, Großkäfern und anderen Insekten hat sich auf diese Alterungsstrukturen spezialisiert. Da im normalen Wirtschaftswald die Buchen bereits mit 140 bis 160 Jahren, das heißt bei 40 Prozent ihres natürlichen Alters von 300 bis 350 Jahren genutzt werden, sind diese Alterungsmerkmale aus dem Wald verbannt. Auf den Menschen übertragen heißt das, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von 75 auf 35 Jahre gesenkt wird.

Bei dem geplanten Abendvortrag heute, 9. März um 19.30 Uhr, im Schweizer Haus in Buckow sollen die Besonderheiten natürlicher Buchenwälder und die Unterschiede zum Wirtschaftswald in Wort und Bild vorgestellt werden.