Quelle: Märkische Oderzeitung, Strausberger Ausgabe vom 03.07.1999

Eine Begegnungsstätte steht noch in den Sternen


Erholungsort Waldsieversdorf erinnert sich an John Heartfield

Von BÄRBEL KLOPPSTECH

Waldsieversdorf (MOZ) Romantisch verwildert ist der Garten, klein und einfach das Holzhaus, in dem John Heartfield viele Sommer verbrachte. Die Rollos der Fenster sind heruntergelassen. Das Haus am Däbersee ist seit Jahren unbewohnt. Wenn es nach den Vorstellungen der Gemeinde, des Fremdenverkehrsamtes Märkische Schweiz und der Kultur GmbH von Märkisch-Oderland ginge, sollte hier so schnell wie möglich wieder Leben einziehen. Eine literarische Begegnungsstätte soll das Sommerhaus werden, so die Pläne. Ein Zimmer soll mit Originalmöbeln eingerichtet werden, ein zweiter Raum Gelegenheit zum Lesen und Vortragen, zu Gesprächen geben, so die Konzeption.

Wie weit entfernt all diese Vorstellungen noch von derWirklichkeit sind, wurde mit den Informationen von Bürgermeister Erich Ritter zu dieser Angelegenheit in der jüngsten Gemeindevertretersitzung deutlich. Obwohl den Heartfieldschen Nachlaß die Stiftung Archiv der Akademie der Künste verwaltet, gehört das Sommerhaus, das die Familie einst gepachtet hatte, dem Land Brandenburg. Das habe sich herausgestellt, als man mit der Verwaltung der Großschutzgebiete über eine Nutzung verhandeln wollte. Mit diesem Erkenntnisstand sei die Sache erst ein mal ins Stoppen geraten.

Drei Varianten gebe es, so Bürgermeister Ritter. Die geringste Chance hätte seiner Ansicht nach eine Zuordnung als Kommunalvermögen. Als zweites käme ein Verkauf des Hauses vom Land an die Gemeinde in Betracht oder als dritte Möglichkeit eine Erbbaupacht. Wie hoch die Kosten seien, hinge von dem Wert des Grundstückes ab. Die Entscheidung im Sinne der geplanten Verwendung des Sommerhauses hinge vom Finanzministerium ab. Bisher gebe es keine definitive Aussage.



Die Idee, aus dem Sommerhaus eine Begegnungsstätte zu machen, war mit der Ausstellung über Persönlichkeiten in der Märkischen Schweiz entstanden. Mitarbeiter der AFG Märkische Schweiz hatten dadurch auch John Heartfield für die Region "wiederentdeckt".

Die Ausstellung, die dann dem Meister der politischen Fotomontage selbst gewidmet war und mit Hilfe der Stiftung Archiv der Akademie der Künste zustande kam, fand eine große Besucherresonanz in der Galerie Zum Alten Warmbad.

Ein Teil dieser Ausstellung ist seitdem 1. Juli nun in Waldsieversdorf zu sehen. Täglich, außer montags, können die Besucher des Ortes sich in der Dahmsdorfer Straße 16 über das Leben und Werk John Heartfields, der mit bürgerlichem Namen Helmut Herzfeld hieß und mit seinem Bruder Wieland Herzfelde (eigtl. auch Herzfeld) den bekannten Malik-Verlag gründete, informieren. Eine Übergangslösung, ein zeitlich begrenztes Provisorium, aber ein weiteres Stück auf dem Weg zur möglichen Begegnungsstätte.

In Waldsieversdorf verbrachte John Heartfield viele Sommer Schuld daran, daß er in die Märkische Schweiz fand, war Brecht. Er hatte den Künstlerkollegen 1952 in einem Brief angeregt, sich hier einen Sommersitz zu suchen. "Du solltest das absurde Leipziger Klima endlich mit dem berühmten guten hier vertauschen", riet ihm Brecht. Heartfield kam und blieb bis zu seinem Tod 1968.