Erich Ritter: "Es ist Zeit, zu gehen"Waldsieversdorfs Rentner-Bürgermeister geht mit seiner Sekretärin in den Ruhestand |
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Von BÄRBEL KLOPPSTECH Waldsieversdorf (MOZ) Erich Ritter aus Waldsieversdorf ist wohl der einzige ehrenamtliche Bürgermeister mit einer Sekretärin. Sie saß in den Gemeindevertretersitzungen immer an seiner Seite, stenographierte mit, schrieb die Protokolle und Einladungen. Es sei ihr nie eine Last gewesen, gesteht Sekretärin Gitta und lächelt dabei zu ihrem Chef hinüber. Ja, ab und zu habe sie schon mal einen Blumenstrauß als Dankeschön für Ihre Schreibarbeit bekommen. "Und ich mußte mir erst mein Taschengeld dafür erbitten", frotzelt Erich, der 73jährige Ehemann, zurück. Am 31. Juli geht der Bürgermeister in den Ruhestand und nimmt seine Sekretärin mit. Mindestens zehn Tage wollen die beiden dann überhaupt nichts tun, um danach nach Österreich in den Urlaub zu fahren und in den Bergen zu wandern, wie schon viele Sommer zuvor. |
Er gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, gesteht Erich Ritter. In Waldsieversdorf habe sich in den letzten fünfeinhalb Jahren viel verändert. Das rund zwölf Kilometer Straßennetz sei zu 85 Prozent in Ordnung. "Wir haben einen neuen Kinderspielplatz, eine Skaterbahn für die Jugendlichen, einen neuen Festplatz mit Sanitäreinrichtungen, der Wasserturm ist saniert, demnächst steht auch ein Fernrohr auf der Aussichtsplattform, das Bad ist rekonstruiert, seit Saisonbeginn steht dort ein neuer stählerner Sprungturm", zählt der Bürgermeister auf. Eine transportable Bühne sei für die Gemeinde gekauft und werde zum Jägerfest eingeweiht. Das Wasserwerk werde rekonstruiert, um zu demonstrieren, wie die einstige Kindermannsche Kolonie vor 100 Jahren ihre Wasser- und Stromversorgung regelte. Vieles von dem Erreichten sei in Eigenleistungen der Waldsieversdorfer entstanden. Das zeige ihren Gemeinsinn für die Entwicklungdes Ortes. Ganz besonders stolz sei er als Bürgermeister, daß die Gemeinde als eine der ersten in Brandenburg als Erholungsort staatlich anerkannt wurde. Schön wäre es, so Erich Ritter, wenn auch die Schandflecken bald verschwinden würden. Häufig seien das rückübertragende Grundstücke, wo die Eigentümer weit entfernt wohnten. Das ehemalige Sanatorium sei zwar verkauft, aber auch hier passiere nichts. Im Herbst, so befürchtet der Bürgermeister, ist das Grundstück zugewachsen. |
In die "Dienstzeit" von Erich Ritter fällt auch die Ämterbildung. "Die staatliche Entmündigung der Gemeinden wird weitergehen. Das habe mit den Feuerwehren begonnen, setze sich mit den Schulen fort. Deshalb hoffe ich, daß die Gebietsreform nicht im gegenwärtigen Stil fortgeführt wird. Gemeinden wie Waldsieversdorf werden immer nach ihrer persönlichen Identität streben."Die einzelnen Amtsbereiche hätten sehr unterschiedlich gearbeitet. "Ich habe deshalb manches selbst geregelt und war damit einfach schneller." Erfahrungen, die Erich Ritter an seinen Nachfolger weitergeben wird. Den am Sonntag gewählten Manfred Werner wird er noch gewissenhaft "einarbeiten".Doch einmischen wird er sich nicht mehr. "Nie mehr. Wenn es Zeit ist zugehen, soll man gehen." |