Buckow. Wer nach solchen Namen wie Eberhard Esche, Steffen Mensching, Dieter Mann und Ko J. Kokott auftreten darf, hat es nicht leicht. Doch die Jungautoren, die das Programm zum Literaturfest im Buckower Brecht-Weigel-Haus bestritten, waren sich nicht nur dieses Anspruchs bewußt, sondern nahmen die psychologische Hürde mit Bravour. Der Dichter- und Musikernachwuchs maß sich nicht mit den Großen der Szene, die die vorherigen Veranstaltungen bestritten hatten. Man setzte eigene Akzente. Nachdenkliche beim Jugoslawen Otto Horvath, satirische bei der vorjährigen Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff, ironische bei Steffen Jacobs mit seinen teils bissigen, teils locker-befreienden Versen. Umrahmt mit unaufdringlichen und doch eindrucksvollen Tönen eines ebenfalls jungen Ensembles.
Er war ein Riesenerfolg, der 1999er Literatursommer im einstigen Domizil von Bertolt Brecht und Helene Weigel. Ein Ort, der Publikum wie Interpreten auch heute noch durch seine Atmosphäre n den Bann zieht. Voll war es (fast) immer, nur bei wenigen der 14 Veranstaltungen blieben Stühle leer. Bei zwei ganz Großen des Theaters platzte der Raum sogar fast aus den Nähten - nur mit Mühe zwängten sich bei Eberhard Esche und Dieter Mann die Besucherscharen in das einstige Arbeitszimmer des Dichters. Lauschten aufmerksam, wenn Esche aus seinen vier Jahrzehnten Bühnenleben erzählte - Schauspieler ebenso wie nun auch erfolgreicher Autor seiner eigenen Erlebnisse - oder sein Kollege Mann sich mehrdeutigen, meist gereimten Werken widmete.
Susanne Bentzien und Katja Amberger, Gina Pietsch und Dietmar Ungerank, Scarlett O' und ihr "Wacholder"-Mitstreiter Kokott sowie Gerlinde Kempendorff mit Sohn Ullrich sie alle hatten Kästner und Ringelnatz, Goethe und Tucholsky, Brecht oder eben sich selbst mitgebracht. Die Frauengeschichten des Weimarers gab es passend zum Jubiläumsjahr. Frauen auch aus dem Leben und Schaffen Brechts oder, Frauen in Liedern, Texten und Gedichten. Für jeden etwas und doch nicht beliebig. Gekonnt zusammengestellt, Bonbon neben Bonbon. Wie Steffen Mensching, der aus eigenen Gedichten las sowie Ausschnitte bot aus seinem neuen Soloprogramm, einer Fernsehsatire.
Nicht fehlen durfte natürlich Reichel. Die Buckowerin, die mehrfach auf den Publikumsplätzen gesichtet wurde, durfte noch einmal fast zum Abschluß mahnend die Hand erheben. Diesmal nicht Büchner, sondern Karl Kraus mit "Die letzten Tage der Menschheit" darbietend. Parallelen ziehend zwischen Vorgestern (1914), Gestern (1944) und Heute, die Zuhörer den Faden ins Morgen weiterspinnen lassend. Schon ein leiser Anstoß zum Literatursommer 2000.