Treffen an der Wildschwein-BarUmweltministerium unterstützt Bemühungen um Heartfield-Begegnungsstätte / Bald zweite GesprächsrundeVon DETLEF KLEMENTZWaldsieversdorf (MOZ) Die Gartentür ist gleich zweifach verschlossen. Dennoch kann man das weitläufige Grundstück am Großen Däbersee problemlos betreten. Der Zaun ist auf einer Länge von mehreren Metern eingedrückt, der Zahn der Zeit hat sichtbare Spuren hinterlassen. Auch am Haus im Stil einer Blockhütte müsste etwas getan werden, schließlich hat sich seit mehr als sieben Jahren Niemand um den Erhalt gekümmert. Bis zu seinem Tode im April 1968 hat sich hier John Heartfield regelmäßig aufgehalten. Eine ABM-Gruppe beschäftigt sich seit Monaten intensiv mit Leben und Werk des heute fast vergessenen Meisters der Fotomontage. Ihre Heartfield-Ausstellung in Buckow in diesem Frühjahr hatte große Aufmerksamkeit erregt. Die vier möchten nun auf dem Anwesen eine Stätte der Begegnung einrichten, mit Lesungen, Liederabenden und ähnlichen Veranstaltungen. Eine Idee, die vom Fremdenverkehrsamt Märkische Schweiz, vom Amt und vom Waldsieversdorfer Bürgermeister Manfred Werner unterstützt wird. Verspricht man sich davon doch in Anlehnung an das Brecht-Haus in Buckow einen weiteren Anziehungspunkt für Touristen. Einen ähnlichen Gedanken hatte bereits Heartfields Frau Gertrud, als sie Haus und Nachlass ihres Mannes nach dessen Tod der Akadamie der Künste überschrieb. Doch bis in die Wendezeit hinein diente das Areal der Akademie als Ferienobjekt. Nach dem Zusammenschluss der beiden Akademien ging es in Landesbesitz über. Richtig beharrlich sei das Vorhaben Begegnungsstätte erst wieder von der ABM-Gruppe verfolgt worden, erklärt Ria-Mara Sommerschuh, die Leiterin des Fremdenverkehrsamtes Märkische Schweiz. "Wir sind mittlerweile richtige Heartfield-Fans", sagt Bärbel Schmidt über sich und ihre drei Kollegen. Inzwischen hat die Akademie der Künste den Vieren den gesamten Heartfield-Nachlass überlassen. Hilfe erhielten sie vor allem vom Leiter der Archivabteilung, Michael Krejsa. Und auch aus Rotterdam kam derweil Unterstützung. Dort spürten die vier ABMler mit Bob Sondermeyer einen der beiden Heartfield-Enkel auf. Am 11. November erörterten nun erstmals Vertreter des Agrar- und Umweltministeriums, des Fremdenverkehrsamtes, des Landesamtes für Großschutzgebiete, des Vermögensamtes sowie Amtsdirektor Rolf-Dietrich Dammann und Bürgermeister Manfred Werner das Thema. Dabei verständigte man sich darauf, möglichst rasch eine Lösung zu finden. Die Gemeinde ist am Kauf interessiert. "Wenn der Preis vernünftig ist", so Bürgermeister Werner gegenüber der MOZ. Eine zweite Möglichkeit sei ein Nutzungsvertrag. Abgewartet werden müsse aber noch die Entscheidung über einen Rückübertragungsanspruch, wobei von verschiedenen Seiten mit einem abschlägigen Bescheid gerechnet wird. Im Potsdamer Agrar- und Umweltministerium will man dem Anliegen der Gemeinde gerecht werden. Man befürworte eine baldige Nutzung, so Ministeriumssprecher Dieter Schütte. Allerdings müsse alles haushaltsrechtlich und juristisch einwandere sein. Wie zu hören ist, könnte die nächste Verhandlungsrunde noch Ende des Monats stattfinden. |