Abschied vom AmtHorst Tuchscherer {Forstamt) geht in den RuhestandVon BARBEL KLOPPSTECHSeelow/ Waldsieversdorf (MOZ) Horst Tuchscherer, der Leiter des Amtes für Forstwirtschaft Müncheberg, wird morgen um 9 Uhr offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Am 30. Dezember wird er zum letzten Mal um halb fünf Uhr aufstehen und die rund 70 Kilometer von Müllrose bis Waldsieversdorf zu seinem Arbeitsort fahren. Ein Forstmann geht in den Ruhestand. Ein Bild von Heinrich Cotta, dem Begründer der Forstwissenschaften und der Forstakademie in Tharandt, hängt im Waldsieversdorfer Büro. Aus alter Verbundenheit. Horst Tuchscherer ist Absolvent von Tharandt. In seinem langen Forstleben hatte er schon auf vielen Amtsstühlen gesessen, bis er 1991 die Leitung des Amtes für Forstwirtschaft Müncheberg übernahm. Dennoch ist er immer ein Mann der Praxis geblieben. Ruhig hat er versucht, die "Extremisten unter den Naturschützern" mit den Forstleuten zu versöhnen. Er halte nichts von Konfrontation, betont Horst Tuchscherer. "Naturschutz und Forst schließen sich nicht aus, sondern haben für mich eine gemeinsame Plattform." Der Naturschutz gehöre wie die Forstwirtschaft zu den ureigensten Aufgaben der Forstleute. "Von der Gesamtwaldfläche sind 72,6 Prozent mit einer oder mehreren Schutzfunktionen und 16,3 Prozent mit einer Erholungsfunktion belegt", erläutert der Amtsleiter und betont: "Zwischen institutionellem Naturschutz und Naturschutzverbänden auf der einen und Forstwirtschaft auf der anderen Seite hat sich ein Spannungsfeld aufgebaut, in dem mir zu viel um die reine Lehre und zu wenig um die gemeinsame Verantwortung im ländlichenm Raum gestritten wird." Horst Tuchscherer weiß, dass Brandenburg in den nächsten 50 Jahren die Nadelholzreinbestände von derzeit 75 auf 42 Prozent der Waldfläche absenken, Laubholz- und Laub-Nadelholzbestände von gegenwärtig 25 auf 58 Prozent steigern soll. In Horst Tuchscherers Dienstzimmer hängen auch zwei Geweihe. Nein, die habe er nicht erlegt. Seine Jagdtrophäe habe ihren Ehrenplatz zu Hause im Flur. Ein 14-Ender. Den Hirsch habe er bei Dubro geschossen. Ein Abschiedsgeschenk, wie es jeder höhere Forstbeamte im Land bekomme. Ein leidenschaflicher Weidmann sei er nicht, er jage eher vemunftsmäßig. Und eigentlich auch lieber mit der Videokamera. "lch bin nicht so passioniert, dass ich selbst eine Jagd pachten muss." Übrigens, auch für den Weihnachtsbaum wird bei Familie Tuchscherer nicht im Wald "geplündert". Der Festbaum wächst auf dem eigenen Grundstück. Forstmann Tuchscherer sorgt stetig für den entsprechenden Tannennachwuchs. |