Quelle: Märkische Oderzeitung, Strausberger Ausgabe vom 25.05.2000

Bollersdorfs größter Schatz: Die Sächsische Kurfürstenbibel

MOZ-Serie "Kirchen in Märkisch-Oderland": Bollersdorf / 1945 ein Raub der Flammen und unter Pfarrer Luckau wieder aufgebaut

Von
THOMAS BERGER

Bollersdorf. Den größten Bollersdorfer Schatz, die Bibel aus dem Jahre 1618 hält Pfarrer Johannes Hilbert in Buckow unter Verschluss. Ächzend wuchtet er das knapp 20 Zentimeter dicke gewichtige Buch auf den Tisch - eine so genannte Kurfürstenbibel. So betitelt, weil sich auf den ersten Seiten Abbildungen diverser sächsischer Kurfürsten finden. In ehrwürdigen Schleifen ziehen sich die Buchstaben über das Papier Hochachtung vor den Schöpfern des Werkes regt sich beim Umblättern der Seiten.

Niemand würde solche Kostbarkeit im schlichten Dorfkirchlein vermuten. Denn was heute zwischen den Baumkronen blinkt, ist in dieser Form erst einige Jahrzehnte alt. Das Gotteshaus kann natürlich schon auf mehrere Jahrhunderte Geschichte zurückblicken, doch wurde es, wie der Buckower Schwesterbau, Anfang Mai 1945 ein Raub der Flammen.

Nur eine Ruine blieb, die jedoch unter dem engagierten damaligen Pfarrer Alfred Luckau möglichst originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Der schlichte Holzturm allerdings mochte zuvor doch ein Bisschen anders ausgesehen haben.

Dankbar sind die Bollersdorfer trotzdem: mit diesem Werk in Bollersdorf wie auch Buckow hat sich Luckau in der Lokalgeschichte einen bleibenden Namen erworben. Wer nur einen sehr flüchtigen Blick auf das Kirchlein wirft, würde meinen, dort stünde noch immer der mittelalterliche Bau.

Aus der Zisterzienserzeit stammen die historischen Feldsteinmauern. Um 1860 ließ der damalige Patron, Gutsherr von Itzenplitz auf Pritzhagen, das Gebäude renovieren und teilweise umgestalten - neugotische Elemente entsprechend ~ dem Zeitgeschmack und im Rückgriff auf die Historie eine so genannte Prämonstratenserfassung um die Fenster. Eine Orgel gibt es nicht, die alte wurde 1945 ebenfalls ein Opfer des Feuers, und auch sonst blieb außer der Bibel nichts von der alten Inneneinrichtung erhalten. Sehenswert ist die Kirche mit ihren alten Grundmauern und der bei Konzerten der Reihe "Musik in Dorfkirchen" unter Beweis gestellten guten Akustik dennoch.

Klein, aber lebendig ist die Kirchengemeinde, wie Hilbert erzählt. "Anderswo sagen die Dörfler: Herr Pfarrer, da ist ein Loch im Dach. In Bollersdorf berichtet Lothar Gottschalk: Herr Pfarrer, da war ein Loch, ich habe es abgedichtet." Der Kirchenälteste sei so etwas wie die gute Seele. Er ist Schlüsselgewaltiger und legt im Notfall auch mal schnell Hand an. Pfarrer Hilbert kennt nur wenige herausragende Beispiele dieser Art aus seinem Sprengel - eine verlässliche, wichtige Stütze.


Kirche Bollersdorf am Dorfanger, Von Neuenhagen/ Strausberg sowie Müncheberg jeweils über Bollersdorfer Kreuzung zu erreichen.

Foto:

    Die dicke, schwere Kurfürstenbibel aus dem Jahre 1618 hält Pfarrer Johannes Hilbert in seinem Arbeitszimmer unter Verschluss. Sie blieb als einziges Stück der Bollersdorfer Innenausstattung erhalten.       Foto: Th. Berger